European Media Art Festiaval Osnabrück

Konferenz

Mit einem Blick auf die Debatten um Überwachung, Datenschutz und Big Data bieten die Vorträge einen Ausblick auf Gegenwart und Zukunft der digitalen Technologien,
die beginnen den Menschen zu regulieren, einzugrenzen und zu kontrollieren.
Dazu stellt sich die Frage, wie eine gesellschaftliche Transparenz gewährleistet werden kann, wenn Programme darüber entscheiden, welche Entscheidungen wir fällen.

Kuratiert von Alfred Rotert.

Verfallsdaten der Zukunft. Der Transparenztraum der Avantgarden

Prof. Manfred Schneider (Ruhr Uni Bochum)

Seit dem 19. Jahrhundert durchbrechen die künstlerischen und politischen Avantgarden die Dichte der Zukunft und suchen sie stillzustellen. Dafür liefert der Transparenztraum die imaginären Kräfte. Solche Träume, die Welt und die Menschen durchsichtig werden zu lassen, sind ebenso in Charles Fouriers utopischen Phalanstères lebendig wie in der russischen Avantgarde, im Surrealismus oder in Walter Benjamins Vorstellung einer rebarbarisierten proletarischen Zukunft. Doch erst heute ist der Transparenztraum, wollte man es mit Hegel sagen, zu sich selbst gekommen: In der Machtergreifung der großen IT-Konzerne, die alle überlieferten Formen des Sozialen und Politischen zu liquidieren suchen.

22. April, 13:00 h, Haus der Jugend

Public Preposition – Modelle veränderter Öffentlichkeiten

Prof. Mischa Kuball (KHM)

„(…) Parallel aber hat sich der sogenannte „öffentliche Raum“ weiter partikularisiert und ökonomisiert – plötzlich wurde Licht im Sinne von „Beleuchtung“ Ausdruck von Prosperität und Wohlfühlszenario in der öffentlichen Wahrnehmung und hatte deutlich weniger Assoziationen zur „Aufklärung“. Das hatte Konsequenzen – ich musste reihenweise Projekte ablehnen, wo ich deutlich absehbar keine Trennschärfe hätte hinbekommen können, zwischen künstlerischen Handlungsfeldern und, grob gesagt, Stadtmarketing. Die Rolle der Kunst und des Künstlers wird harten Prüfungen unterzogen.“ (Mischa Kuball)

22. April, 14:00 h, Haus der Jugend

Walking a daydream

Philip Rizk (Künstler, Kairo)

Ich denke das Utopische als einen Akt des gemeinsamen Tagträumens, ein Beharren auf Fantasie, die tief in der Wirklichkeit verwurzelt ist, als ein Widerstand gegen die jetzigen harten Realitäten. Ich nehme euch mit auf einen Spaziergang durch die Orte, die ich kenne oder auch nicht, um einen Punkt jenseits jeglicher Klischees zu erreichen.

22. April, 16:00 h, Haus der Jugend

Predicting the Past and Narrating the Future: The Techie in Networked Societies

Dr. Nishant Shah (Leuphana University, Lüneburg/Centre for Internet & Society, Bangalore, India)

Eine der allgegenwärtigsten Figuren des Digital Turn ist der Technikfreak, der „Techie“. Der Techie kommt aus dem Nichts, erscheint plötzlich auf der Bildfläche und wird durch Netztechniken aktiviert, mit der Aufgabe, eine Nation der Zukunft zu bilden. Der Techie wird zu einer Figur, die ihrer Geschichte beraubt wird und von der Vergangenheit verschont blieb. Gleichzeitig besteht die Zukunft, die die Technikfreaks bilden, aus geplanten Visionen, die den Körper des Techniknarrs regulieren, eingrenzen und kontrollieren. Ich glaube, dass diese Figur des Techie dazu beiträgt, die Rolle zu verstehen, die digitale Technologien dabei spielen, uns als Subjekt der Geschichte und der Zukunft zu bezeichnen.

23. April, 13:00 h, Haus der Jugend

Leibniz and Contemporary Calculation

Ramon Amaro (Goldsmiths University of London)

Dieser Vortrag beginnt mit Gottfried Wilhelm von Leibniz und seinen Beiträgen als Wegbereiter im Bereich Künstlicher Intelligenz und für Lernprozesse, um mathematische Vorgänge, unsere derzeitige Fixierung auf Daten und den unbesorgten Umgang mit Daten besser zu verstehen. Heutzutage zeigt sich das am deutlichsten im modernen Deep Data Mining und den Anwendungen aus dem Bereich des “machine learning“, die durch automatisierte Mustererkennung zu Prognosen führen, die die Beziehung zwischen Technologie und Mensch bis in den Alltag bestimmen.

23. April, 14:00 h, Haus der Jugend

Big Data als permanente Zukunft

Marcus Burkhardt (TU München) and Francis Hunger (Künstler, Leipzig)
Moderation: Lena Brüggemann

Unter dem Schlagwort Big Data sammeln Staaten und Unternehmen Daten mit der Absicht einer zukünftigen Verwertung. Aus Sicht der Datenbanken werden Menschen zu Datenkörpern und zu Datenpotentialen, die es abzuspeichern und algorithmisch zu verarbeiten gilt. Während staatlicherseits zum Beispiel die Polizei mit Systemen zur Vorhersage krimineller Aktivitäten experimentiert, oder Parteien mit Hilfe von Big Data ihre Wählerschaft für den Wahlkampf mobilisieren, verwenden Firmen wie Amazon, Allianz Versicherung oder Deutsche Bank die Daten ihrer Kunden zur strategischen Geschäftsentwicklung.

23. April, 15:30 h, Haus der Jugend

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