23.04.2026
EMAF 39 - Eröffnung
„An Incomplete Assembly“ lautet das Thema des European Media Art Festival 2026. Zu deutsch: „eine unvollständige Versammlung“. Unvollständig kann man das versammelte Publikum gestern Abend nicht nennen: Rund 1000 Menschen waren bei der Eröffnung des Festivals in der Kunsthalle Osnabrück dabei.
Seit heute Vormittag sind unsere Standorte schon wieder für das Publikum geöffnet. Im Filmprogramm THEY GAVE US FLAMES, WE MADE A FIRE, das Ana Vaz zum Festivalthema kuratiert hat, war um 11 Uhr im Haus der Jugend das erste Mal die Performance Vestibules von Myriam Lefkowitz zu erleben. Es geht darin um das „Verdauen“ von Bildern. Vestibules (Vorräume) ist eine Einladung an eine kleine Gruppe, sich hinzulegen und die Augen zu schließen. „Sobald die Gruppe horizontal liegt und ihre Augen geschlossen hat, beginne ich mit einer Vokalpartitur, die die Gruppe durch Bilder und Empfindungen führt“, sagt Myriam Lefkowitz. Nach und nach beginnt sich eine „somatische Fiktion“ zu entfalten.
Heute Abend um 19 Uhr ist die Performance zum dritten und letzten Mal im Haus der Jugend zu erleben. Bitte meldet Euch vorab unter presse@emaf.de an. Vielen Dank!
Die für heute um 15:30 Uhr in der Kunsthalle Osnabrück geplante Performance MAKE THE SILENCE COUNT von Danielle Brathwaite-Shirley fällt leider aus. Sie wird ersetzt durch das Gespräch CURATING AS HACKING von Amanda Abi Khalil.
In ihrem Gespräch stellt Amanda Abi Khalil eine kuratorische Praxis vor, die darauf zielt, in Zeiten des Zusammenbruchs einen Beitrag zum Gemeingut zu leisten. Ausgehend von Interventionen der Temporary Art Platform (TAP) aus den letzten zehn Jahren werden Kunstprojekte vorgestellt, die unmittelbar in die soziale Realität eingebettet sind. Vor dem Hintergrund einer Mehrfachkrise – Kriegen, Völkermorden, Zwangsmigration sowie miteinander verflochtenen wirtschaftlichen und ökologischen Zusammenbrüchen – wird das Gespräch aufzeigen, wie kuratorische Praktiken Brüche innerhalb sozialer und kultureller Systeme erzeugen können. Beginn ist heute um 15:30 Uhr in der Kunsthalle Osnabrück.
In unserer Campus-Sektion gibt die HfG Karlsruhe morgen um 13 Uhr eine weitere Führung zu Ermittlungsorten in der Stadt. Dabei nutzt die COLONIAL CRIMES UNIT der HFG forensische und spekulative Methoden, um im Stadtraum von Osnabrück menschliche und nicht-menschliche Zeug*innen kolonialer Verbrechen aufzuspüren und dingfest zu machen - unterstützt durch eigens entwickelte technologische Hilfsmittel. Treffpunkt ist morgen um 13 Uhr an der Lagerhalle.
Das Gespräch LAKI ŠTRAJK mit der Filmemacherin Isidora Ilić und ihrem Gast bietet morgen Einblicke in die von Studierenden initiierte Protestbewegung in Serbien, die seit über einem Jahr erfolgreich Bildungseinrichtungen besetzt, um gegen Korruption und Missmanagement der Regierung zu protestieren.
In Reaktion auf den Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen, führen Studierende seit November 2024 Proteste in ganz Serbien an. Mit der an die Behörden gerichteten Forderung nach Rechenschaft für die Opfer, breitete sich der Protest von der Fakultät für Darstellende Künste in Belgrad schnell auf Universitäten und Gymnasien in allen Landesteilen aus. Die täglichen Verkehrsblockaden der Studierenden entwickelten sich zu einer landesweiten Protestbewegung. Bürger*innen, Arbeiter*innen sowie Bäuer*innen und Kulturarbeiter*innen beteiligten sich an Aktionen des zivilen Ungehorsams. Auf die Beharrlichkeit und Mobilisierungskraft der Proteste, die über Monate andauerten, reagierte der Staat im Sommer 2025 schließlich mit dem Einsatz von Gewalt gegen die Demonstrierenden.
Im Gespräch mit der Filmemacherin Isidora Ilić und ihrem Gast wenden wir uns verschiedenen Aspekten der Protestbewegung zu. Wie wirksam ist die Besetzung der Fakultäten als politisches Mittel? Wie viel Arbeit und Ausdauer ist erforderlich, um eine Protestbewegung über einen längeren Zeitraum hinweg am Leben zu erhalten? Und wieso treffen die Proteste der serbischen Studierenden bei internationalen Medien und der EU auf Desinteresse?
Das Gespräch wird in englischer Sprache geführt und startet morgen um 15:30 in der Kunsthalle Osnabrück.
Die überaus erfolgreiche Expanded Cinema-Reihe UNBURDENED RECOLLECTIONS wird in diesem Jahr mit neuem Konzept fortgesetzt. Die Initiator*innen Anja Dornieden und Juan David González Monroy haben das Kurator*innenduo Mark Toscano und Zena Grey aus Los Angeles eingeladen, an zwei Abenden experimentelle Filme und Videos aus den 1960er und 70er Jahren zu zeigen. EXPANDED CINEMA: A TRIBUTE TO GENE YOUNGBLOOD’S BOOK versammelt Filme und Videos, die nicht nur unsere Wahrnehmung, sondern auch das Bewusstsein erweitern. Morgen und übermorgen jeweils um 17:30 im Haus der Jugend.
Bildrechte: Angela von Brill