Wir freuen uns auf eure Einreichungen für das EMAF 2027!
Ab sofort können aktuelle Arbeiten in den Sektionen Film, Installation und Expandedhier für das EMAF 2027 eingereicht werden.
Bitte beachtet dabei die folgende Neuerung:
Der Call for Entries endet, sobald 2200 Arbeiten eingereicht wurden, und spätestens am 15. Dezember 2026.
Hiermit möchten wir darauf reagieren, dass die Einreichungszahlen in den vergangenen Jahren dramatisch angestiegen sind. Diese wachsende Aufmerksamkeit für das Festival freut uns sehr. Gleichzeitig ist uns wichtig, dass wir bei der Sichtung allen eingereichten Arbeiten und Projekten die Zeit und Aufmerksamkeit zukommen lassen können, die sie verdienen. Wir haben uns daher entschieden, die Einreichungszahlen auf diese Weise zu begrenzen.
Auch in Zukunft wird für die Einreichung keine Gebühr erhoben.
Anbei geben wir euch einen kurzen Überblick über die Sektionen:
FILM
Experimentelle Filme jeder Länge und jeden thematischen Zuschnitts
Hieraus wählen wir die Beiträge für die Internationale Auswahl (kurze und mittellange Filme) und die Features-Sektion aus. Sie dürfen nicht früher als 2026 fertiggestellt worden sein. Eine Premierenpflicht besteht nicht.
INSTALLATION
Installative, interaktive, raumbezogene oder skulpturale Medienkunstarbeiten
Aus diesen Einreichungen werden die Ausstellungsbeiträge ausgewählt. Sie dürfen nicht früher als 2026 fertiggestellt worden sein und müssen sich auf das Festivalthema 2027 beziehen. In dessen Zentrum steht das Archiv als Instrument der Wissensproduktion, Ort der kritischen Intervention und Raum für alternative Entwürfe von Zukunft.
EXPANDED
Performances, Live-Events oder Workshops
Diese Einreichungen werden je nach Konzept und inhaltlichem Schwerpunkt für das Performanceprogramm oder die Talks & Workshops gesichtet.
Weitere Informationen zur Einreichung und Auswahl könnt ihr unserem Reglement entnehmen.
20.07.2026EMAF Call - Ausstellungskurator*in
Für die kommende 40. Festivalausgabe suchen wir eine*einen Ausstellungskurator*in für die EMAF Ausstellung, die vom 21. April – 23. Mai 2027 in der Kunsthalle Osnabrück stattfindet.
Arbeitszeitraum: Oktober 2026 – Mai 2027
Bewerbungsende: 4. September 2026
Das EMAF gilt international als eines der wichtigsten Foren für Medienkunst. In seiner Ausstellung, in Filmprogrammen, Talks, Workshops und performativen Formaten verbindet das Festival aktuelle künstlerische Praxis und gesellschaftlichen Diskurs. Gastkuratierte Projekte und Retrospektiven geben vertiefende Einblicke in historische Positionen und Zusammenhänge.
Die EMAF Ausstellung eröffnet zeitgleich mit dem fünftägigen Festival. Die Gruppenausstellung umfasst aktuelle medienkünstlerische Arbeiten und bezieht sich
inhaltlich auf das jährlich wechselnde Festivalthema.
Thematischer Schwerpunkt des EMAF 2027 ist das Archiv als Instrument der Wissensproduktion, Ort der kritischen Intervention und Raum für alternative Entwürfe von Zukunft. Die*der Kurator*in entwickelt hiervon ausgehend das inhaltliche Konzept der Ausstellung und verantwortet ihre Umsetzung.
Wir suchen eine*n Kurator*in mit mindestens fünf Jahren Erfahrung in der Kuration und Produktion von Medienkunst-Ausstellungen oder vergleichbaren Projekten.
Zu den zentralen Aufgaben zählen:
Entwicklung des inhaltlichen Konzepts der Ausstellung und Auswahl der Arbeiten
Sichtung von Einreichungen aus dem Open Call sowie selbständige Recherche möglicher Ausstellungsbeiträge
Planung und Produktion der Ausstellung in Abstimmung mit der Festivalleitung und dem technischen Team vor Ort
Budgetverwaltung und Unterstützung bei der Einwerbung von Drittmitteln
Texterstellung und Bildrecherche für Festivalpublikationen und Presse
Einarbeitung von Ausstellungsvermittler*innen und Aufsichten
Während des Festivals sowie in den Auf- und Abbauphasen wird die Anwesenheit vor Ort vorausgesetzt, darüber hinaus kann der Arbeitsort frei gewählt werden.
Sehr gute Deutsch- und Englischkenntisse sind essentiell.
Wir bieten:
ein Honorar von 10.000 € (zzgl. MwSt)
Übernahme von Reise- und Unterbringungskosten während des Festivals und der Auf- und Abbauphasen
Zusammenarbeit mit einem internationalen kuratorischen Team
Flexible Arbeitszeiten
Von Bewerber*innen erwarten wir Respekt für die Würde, Sicherheit und Gleichbehandlung aller Individuen und ein entschiedenes Eintreten gegen sexuelle Belästigung und Diskriminierung jeder Art.
Wir begrüßen alle Bewerbungen – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer und sozialer Herkunft, Religion/Weltanschauung, Behinderung, Alter sowie sexueller Orientierung und Identität.
Wir freuen uns über einen aussagekräftigen Lebenslauf und ein Dossier mit Arbeitsproben bis zum 4. September 2026 an folgende Email: bewerbung@emaf.de.
Für weitere Auskünfte steht Katrin Mundt unter kmundt@emaf.de zur Verfügung.
26.05.2026Panel "Kunstfreiheit und institutionelle Verantwortung" am 15. Juni
Wir laden Euch hiermit herzlich zu unserem Panel “Kunstfreiheit und institutionelle Verantwortung” ein.
Öffentliche Kunst- und Kulturförderung hat in Deutschland eine außerordentlich vielfältige Kulturlandschaft hervorgebracht. Die existenzielle Abhängigkeit von Kulturschaffenden und Institutionen von Förderung macht diese allerdings auch anfällig für politisch motivierte Eingriffe in Prozesse der Fördervergabe. Dass hierdurch auch die Kunst-, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit immer wieder unter Druck geraten, haben die Kontroversen der vergangenen Monate um die Berlinale, den Deutschen Buchhandlungspreis und die Kunstakademie Düsseldorf deutlich vor Augen geführt. Jüngst stand auch das EMAF wegen seiner Einladung einer palästinensischen Künstlerin in der Kritik, was zur öffentlichen Distanzierung seiner beiden Hauptförderer, der Stadt Osnabrück und des Landes Niedersachsen, führte.
Wir möchten diese Kontroversen und ihre politischen und rechtlichen Kontexte gemeinsam mit Expert*innen und Publikum näher beleuchten: Welche inhaltlichen Freiräume können Kunstinstitutionen für ihre Programminhalte beanspruchen, insbesondere dann, wenn es um Israel/Palästina oder Akteur*innen aus der Region geht, und wo sind ihnen Grenzen gesetzt? Welche Verantwortung haben beide – Förderer und Geförderte –, auch kritischen und kontroversen Themen Raum zu geben? Was können Förderer vor diesem Hintergrund fordern? Und was müssen Geförderte leisten?
Das Panel
Kunstfreiheit und institutionelle Verantwortung
Eine Podiumsdiskussion im Nachgang zum EMAF 2026
findet statt am
Montag, den 15. Juni um 19 Uhr in der Lagerhalle (Spitzboden).
Der Eintritt ist frei.
Eine Diskussion mit:
Julius Heinicke (Professor für Kulturpolitik, Universität Hildesheim)
Ralf Michaels (Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, Hamburg und Professor für Rechtswissenschaft, Universität Hamburg)
Marc Siegel (Professor für Filmwissenschaft, Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Moderation: Margarita Tsomou (Professorin für Zeitgenössische Theaterpraxis, Hochschule Osnabrück und Kuratorin für Theorie und Diskurs HAU Hebbel am Ufer, Berlin)
Wir laden Euch herzlich ein, das Panel zu besuchen und Euch an der Diskussion zu beteiligen!
05.05.2026Internationaler Museumstag - Workshop des Alternative Monument collective
Das vom Alternative Monument collective konzipierte ALTERNATIVES DENKMAL FÜR DEUTSCHLAND (ADfD, DE 2025, 00:20:00) verlagert institutionalisierte Erinnerung in den öffentlichen und digitalen Raum. Als Augmented-Reality-Projekt angelegt, aktiviert sich hier Erinnerung situativ über mobile Endgeräte, wobei visuelle Fragmente mit Narrativen von Migration, Exil und Verdrängung verbunden werden. Erinnerung erscheint als vielstimmiger Prozess, der sich jeder Fixierung entzieht.
Zum Museumstag am 17. Mai bietet das European Media Art Festival von 12:00 bis 16:00 im Neubau der Kunsthalle Osnabrück einen Workshop des Alternative Monument collective an.
Angesichts der dringenden Notwendigkeit, dem toxischen Diskurs über Migration in Deutschland entgegenzuwirken, betrachtet der Workshop Migration nicht als eine spaltende, sondern als eine verbindende Kraft. Gemeinsam mit den Teilnehmenden erkundet das Künstler*innenkollektiv, wie künstlerische Ideen Einschränkungen, Ressourcenmangel und strukturelle Grenzen überwinden können. Dabei wird der öffentliche Raum Osnabrücks als Spielwiese genutzt. Seine Denkmäler und Skulpturen dienen als Ausgangsmaterial für den Workshop. Es wird gefragt, wie das Bestehende neu geschrieben, zurückerobert oder neu gedacht werden kann, indem zugelassen wird, dass die sichtbaren und unsichtbaren Grenzen, Geschichten und Schweigen der Stadt das gemeinsame Schaffen und Aufbrechen prägen.
Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Um Anmeldung unter presse@emaf.de wird gebeten.
Picture Copyright: Alternative Monument collective
26.04.2026EMAF 39 - Preisverleihung und Dankeschön!
Nach fünf Tagen ist gestern Abend in Osnabrück das 39. European Media Art Festival zu Ende gegangen. Wir freuen uns über das große Interesse an allen Screenings, Ausstellungen, Talks und Führungen. Allein die Eröffnung haben rund 1.000 Menschen besucht.
Am Sonntagvormittag ist beim Festival der EMAF-Medienkunstpreis des Verbands der deutschen Filmkritik (VdFk) vergeben worden. Die Auszeichnung geht an José Jiménez für LENGUA MUERTA / DEAD TONGUE (CL 2025, 00:24:50), der in Osnabrück seine deutsche Premiere gefeiert hat. Darin geht es um Ricardo Rifo, der im Jahr 1980 von Ingrid Olderöck, der mächtigsten Frau der Geheimpolizei während der chilenischen Diktatur, zum Hundetrainer ausgebildet wurde. Vier Jahrzehnte später irrt der Bauer durch eine unwirtliche und verwüstete Landschaft, gequält von der Unmöglichkeit, das Grauen in Worte zu fassen.
Die Jury des Verbands der deutschen Filmkritik bestand in diesem Jahr aus Masha Matzke, Ursula von Keitz und Maja Roth. In ihrer Begründung heißt es: „`I want to tell you something, but I can’t´ ist kein voraussetzungsloser Satz. Im Halbdunkel einer rauen Küstenlandschaft konkretisiert sich ein einsamer von sechs Hunden begleiteter Wanderer. Auf seinem Weg, eine Erinnerung zu finden, bleibt das Gesicht jenes Wanderers abgewendet, seine Stimme konsequent vom Körper getrennt. LENGUA MUERTA / DEAD TONGUE von José Jiménez überträgt das Noch-nicht-Sagbare in die filmische Form. Die Fragmenthaftigkeit seines Gedächtnisses verbindet sich gekonnt mit einer Schwarzweiß-Ästhetik des Bruchs und der Leerstellen.
Die Kamera von Matías Illanes führt in stofflich dichten Naturaufnahmen durch undurchdringliches Dickicht und kahle Wüsteneien, durch eine malträtierte Landschaft, in die sich anhaltend die Grausamkeit der Pinochet-Diktatur einschreibt. In der Dauer, die diese Einstellungen zulassen, wird der gewalttätige Zugriff des Menschen erfahrbar: Waldrodungen, Schiffsfriedhöfe, Schutthalden, Stottern und Hundefletschen. Bild, Stimme und Geräusche vermitteln bis in die Blickhaft einer langen statischen Einstellung hinein eine physische Präsenz, die die Spuren der Gewalt sowohl im Sujet sucht, als auch sie in die grobkörnig-rauhe Materialität der filmischen Oberfläche projiziert.“
Eine lobende Erwähnung vergab die Jury an Maryam Tafakory für DARIA´S NIGHT FLOWERS (IR, GB, FR 2025, 00:16:00), der ebenfalls beim EMAF seine deutsche Premiere gefeiert hat. Der Film handelt von Daria, die ihr erstes Manuskript verfasst hat, in dem sie von ihrer Liebe zu einem geheimnisvollen Mädchen namens „Abi“ [blau] erzählt. Die Nachtblumen in ihrem Garten verbergen die Geheimnisse eines Landes, in dem Liebesgeschichten zu alltäglichen Tatorten geworden sind, so die Synopsis.
Die Jury schreibt: „Wie zeigen, was in der offiziellen Repräsentation nicht gezeigt werden darf? Maryam Tafakorys sinnlich-poetische Montage von Fragmenten des iranischen Kinos kreiert ein Gegenarchiv, das durch Verdichtung von Gesten und Blicken das verborgene Begehren von Frauen im Iran als auch deren brutale Sedierung und Auslöschung freilegt. In der dichten, halluzinatorischen, zärtlichen wie haptischen Textur des Films wird die gewaltsame Verinnerlichung der Zensur kunstvoll mit der Externalisierung unterdrückter Emotionen und Realitäten verwoben und sinnlich erfahrbar gemacht.“
Weder der Preis noch die lobende Erwähnung sind dotiert. Der Grund: Beim EMAF werden seit dem vergangenen Jahr die bisherigen Preisgelder gleichberechtigt unter allen 30 ausgewählten Filmen der Internationalen Auswahl aufgeteilt.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei unseren Besucher*innen, bei den zahlreichen Künstler*innen und dem ganzen Team für das gelungene Festival!
Ein besonderer Dank gilt unseren Sponsor*innen:
nordmedia,
Stadt Osnabrück,
Stiftung Niedersachsen,
Felicitas und Werner Egerland Stiftung,
Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V.,
VGH Stiftung
sowie unseren Kooperationspartner*innen:
Kunsthalle Osnabrück,
Lagerhalle e.V.,
Cinema Arthouse,
Haus der Jugend,
Kunstraum hase29,
BBK,
skulptur-galerie,
HFK Bremen,
HfG Karlsruhe,
Royal Academy of Art Den Haag,
LUCA School of Arts,
Universität Osnabrück,
Musik- und Kunstschule der Stadt Osnabrück
und unseren Medien- und Kulturpartner*innen:
Camera Austria,
Springerin,
kultur.west,
NDR Kultur,
Le Monde diplomatique,
der Freitag
Das 40. European Media Art Festival findet statt vom 21. bis 25. April 2027. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!
Picture copyright: Kerstin Hehmann
24.04.2026EMAF 39 - Tipps für das Wochenende
Der dritte Tag des EMAF hat begonnen. Zahlreiche interessante Programme, Begegnungen und Gespräche haben schon stattgefunden. Für alle, die heute erst ankommen und die sich einen Überblick über die Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück verschaffen wollen, gibt es neben den täglichen Führungen heute auch eine Führung in englischer Sprache. Start ist um 15:30 Uhr in der Kunsthalle.
In der Internationalen Auswahl zeigen wir morgen das Programm ON COMING DOWN. Anschließend folgt ein Q&A mit den Filmemacher*innen. Zu sehen sein werden „Warnungen an die ferne Zukunft” von Stefanie Schroeder und Juliane Jaschnow, „Slowest Smile” von Alee Peoples (eine Weltpremiere!), „Make Heaven Crowded” von Steve Reinke und „A Circle as the Center of the Whole” von Utkarsh. Morgen um 11 Uhr in der Lagerhalle.
Im EMAF Workshop „Alternative Monument: Migrating Memory” des Alternative Monument collective geht es um die Notwendigkeit, dem toxischen Diskurs über Migration in Deutschland entgegen zu wirken. Der Workshop betrachtet Migration nicht als spaltende, sondern als verbindende Kraft. Wie können Denkmäler, Gesten und kollektive Erzählungen innerhalb institutioneller Rahmenbedingungen entstehen und dennoch als Gegenentwurf dazu agieren? Das ist eine der zentralen Fragen.
Der Workshop findet in englischer Sprache statt; bei Bedarf auch auf deutsch. Die Anzahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Einige Plätze sind aber noch verfügbar. Bei Interesse meldet Euch einfach unter presse@emaf.de. Beginn ist morgen um 13:00 in der Kunsthalle Osnabrück.
Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFK) lädt am Sonntag um 11:00 zum Jury-Panel und zur Verleihung des Medienkunstpreises des VdFK ein. Die Jurorinnen des Verbands der deutschen Filmkritik Masha Matzke, Maja Roth und Ursula von Keitz diskutieren die Filme der Internationalen Auswahl und vergeben im Anschluss ihren Preis. Nach der Vorführung des Preisträgerfilms laden wir alle Anwesenden herzlich zu Snacks und Getränken ein.
Um 15:30 Uhr gibt es dann noch einmal Gelegenheit, in der Kunsthalle Osnabrück an einer Führung teilzunehmen. Führungen können auch in den kommenden Wochen noch gebucht werden - unter presse@emaf.de.
Das Programm „In Excess of Measures” und die beiden Langfilme „Bouchra” und „Everything Else Is Noise” in der Lagerhalle markieren dann am Sonntag den Endspurt des Festivals.
Wir wünschen Euch ein tolles Festivalwochenende und laden auch Kurzentschlossene ein, noch nach Osnabrück zu kommen! Unser Festivalcounter ist heute und morgen von 10:30 Uhr bis 22:00 Uhr geöffnet, Sonntag bis 18:00 Uhr. Dort gibt´s alle Infos zu Tickets und Co..
Picture Copyright: Stefanie Schroeder und Juliane Jaschnow
23.04.2026EMAF 39 - Eröffnung
„An Incomplete Assembly“ lautet das Thema des European Media Art Festival 2026. Zu deutsch: „eine unvollständige Versammlung“. Unvollständig kann man das versammelte Publikum gestern Abend nicht nennen: Rund 1000 Menschen waren bei der Eröffnung des Festivals in der Kunsthalle Osnabrück dabei.
Seit heute Vormittag sind unsere Standorte schon wieder für das Publikum geöffnet. Im Filmprogramm THEY GAVE US FLAMES, WE MADE A FIRE, das Ana Vaz zum Festivalthema kuratiert hat, war um 11 Uhr im Haus der Jugend das erste Mal die Performance Vestibules von Myriam Lefkowitz zu erleben. Es geht darin um das „Verdauen“ von Bildern. Vestibules (Vorräume) ist eine Einladung an eine kleine Gruppe, sich hinzulegen und die Augen zu schließen. „Sobald die Gruppe horizontal liegt und ihre Augen geschlossen hat, beginne ich mit einer Vokalpartitur, die die Gruppe durch Bilder und Empfindungen führt“, sagt Myriam Lefkowitz. Nach und nach beginnt sich eine „somatische Fiktion“ zu entfalten.
Heute Abend um 19 Uhr ist die Performance zum dritten und letzten Mal im Haus der Jugend zu erleben. Bitte meldet Euch vorab unter presse@emaf.de an. Vielen Dank!
Die für heute um 15:30 Uhr in der Kunsthalle Osnabrück geplante Performance MAKE THE SILENCE COUNT von Danielle Brathwaite-Shirley fällt leider aus. Sie wird ersetzt durch das Gespräch CURATING AS HACKING von Amanda Abi Khalil.
In ihrem Gespräch stellt Amanda Abi Khalil eine kuratorische Praxis vor, die darauf zielt, in Zeiten des Zusammenbruchs einen Beitrag zum Gemeingut zu leisten. Ausgehend von Interventionen der Temporary Art Platform (TAP) aus den letzten zehn Jahren werden Kunstprojekte vorgestellt, die unmittelbar in die soziale Realität eingebettet sind. Vor dem Hintergrund einer Mehrfachkrise – Kriegen, Völkermorden, Zwangsmigration sowie miteinander verflochtenen wirtschaftlichen und ökologischen Zusammenbrüchen – wird das Gespräch aufzeigen, wie kuratorische Praktiken Brüche innerhalb sozialer und kultureller Systeme erzeugen können. Beginn ist heute um 15:30 Uhr in der Kunsthalle Osnabrück.
In unserer Campus-Sektion gibt die HfG Karlsruhe morgen um 13 Uhr eine weitere Führung zu Ermittlungsorten in der Stadt. Dabei nutzt die COLONIAL CRIMES UNIT der HFG forensische und spekulative Methoden, um im Stadtraum von Osnabrück menschliche und nicht-menschliche Zeug*innen kolonialer Verbrechen aufzuspüren und dingfest zu machen - unterstützt durch eigens entwickelte technologische Hilfsmittel. Treffpunkt ist morgen um 13 Uhr an der Lagerhalle.
Das Gespräch LAKI ŠTRAJK mit der Filmemacherin Isidora Ilić und ihrem Gast bietet morgen Einblicke in die von Studierenden initiierte Protestbewegung in Serbien, die seit über einem Jahr erfolgreich Bildungseinrichtungen besetzt, um gegen Korruption und Missmanagement der Regierung zu protestieren.
In Reaktion auf den Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen, führen Studierende seit November 2024 Proteste in ganz Serbien an. Mit der an die Behörden gerichteten Forderung nach Rechenschaft für die Opfer, breitete sich der Protest von der Fakultät für Darstellende Künste in Belgrad schnell auf Universitäten und Gymnasien in allen Landesteilen aus. Die täglichen Verkehrsblockaden der Studierenden entwickelten sich zu einer landesweiten Protestbewegung. Bürger*innen, Arbeiter*innen sowie Bäuer*innen und Kulturarbeiter*innen beteiligten sich an Aktionen des zivilen Ungehorsams. Auf die Beharrlichkeit und Mobilisierungskraft der Proteste, die über Monate andauerten, reagierte der Staat im Sommer 2025 schließlich mit dem Einsatz von Gewalt gegen die Demonstrierenden.
Im Gespräch mit der Filmemacherin Isidora Ilić und ihrem Gast wenden wir uns verschiedenen Aspekten der Protestbewegung zu. Wie wirksam ist die Besetzung der Fakultäten als politisches Mittel? Wie viel Arbeit und Ausdauer ist erforderlich, um eine Protestbewegung über einen längeren Zeitraum hinweg am Leben zu erhalten? Und wieso treffen die Proteste der serbischen Studierenden bei internationalen Medien und der EU auf Desinteresse?
Das Gespräch wird in englischer Sprache geführt und startet morgen um 15:30 in der Kunsthalle Osnabrück.
Die überaus erfolgreiche Expanded Cinema-Reihe UNBURDENED RECOLLECTIONS wird in diesem Jahr mit neuem Konzept fortgesetzt. Die Initiator*innen Anja Dornieden und Juan David González Monroy haben das Kurator*innenduo Mark Toscano und Zena Grey aus Los Angeles eingeladen, an zwei Abenden experimentelle Filme und Videos aus den 1960er und 70er Jahren zu zeigen. EXPANDED CINEMA: A TRIBUTE TO GENE YOUNGBLOOD’S BOOK versammelt Filme und Videos, die nicht nur unsere Wahrnehmung, sondern auch das Bewusstsein erweitern. Morgen und übermorgen jeweils um 17:30 im Haus der Jugend.
Bildrechte: Angela von Brill
13.04.2026EMAF 39 - Campus
In gut einer Woche startet in Osnabrück das 39. European Media Art Festival - diesmal mit dem Themenschwerpunkt „An Incomplete Assembly“.
Eine der Festivalsektionen ist der EMAF Campus. Im Rahmen des Campus zeigen Klassen und Gruppen von Kunsthochschulen und Universitäten aktuelle Arbeiten und eigens für das Festival produzierte Projekte. In diesem Jahr sind Studierende aus Den Haag, Gent, Karlsruhe, Bremen und Osnabrück beim EMAF zu Gast und bespielen mit Installationen, skulpturalen Arbeiten, Performances und geführten Rundgängen sowohl Kunsträume als auch Orte im öffentlichen Raum.
Im Projekt von und mit Any Jackson Chaturanga der HFK BREMEN wird eine Turnhalle zum Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit Körpern in Erwartung und in Bewegung. In individuellen und kollektiven Choreografien erproben sie, was hör-, sag- und erfahrbar werden kann im Rahmen gesetzter Strukturen.
Visuelle und Soundkünstler*innen der LUCA – SCHOOL OF ARTS, GENT entwickeln Screenings und Interventionen im öffentlichen Raum, die sich im Dialog mit dem Ort und miteinander entwickeln. Sie entfalten sich als eine Art Komposition in Echtzeit, die die Politik vorgefundener Alltagsorte befragt.
Der Masterstudiengang Künstlerische Forschung der ROYAL ACADEMY OF ART, DEN HAAG ist mit Videoarbeiten, Installationen, Skulpturen und Performances vertreten, die um Musterbildung und Wiederholung, Infrastrukturen und Subversion sowie die Materialität und Bewegung von Erinnerung kreisen.
Die Colonial Crimes Unit der HFG KARLSRUHE nutzt forensische und spekulative Methoden, unterstützt durch eigens entwickelte technologische Hilfsmittel, um im Stadtraum von Osnabrück menschliche und nichtmenschliche Zeug*innen kolonialer Verbrechen aufzuspüren und dingfest zu machen.
Die Beiträge des Instituts für Kunst/Kunstpädagogik der UNIVERSITÄT OSNABRÜCK verweben Wissenschaft, Technologie und künstlerische Praxis. Sie verhandeln den offenen Prozess zwischen Regelwerk und Imagination und fragen, wie andere Codes, temporäre Allianzen und hybride Lernräume entstehen können.
Die MUSIK- UND KUNSTSCHULE DER STADT OSNABRÜCK entwickelt eine Rauminstallation, die sich mit sichtbaren und unsichtbaren institutionellen Strukturen und Codes auseinandersetzt.
Picture Copyright: Cemre Eraslan, Den Haag
02.04.2026EMAF 39 - Talks & Workshops
Die Talks und Workshops des 39. EMAF befassen sie sich praxisorientiert mit den alltäglichen Realitäten der Kulturarbeit. Das Programm, kuratiert und moderiert von Franziska Pierwoss, richtet sich an Filmemacher*innen, Kurator*innen, Organisator*innen und Studierende gleichermaßen und fragt, wie wir arbeiten – vor Ort, im Prozess und in Beziehung zueinander.
Während wir gern die Kontraproduktivität von Institutionen kritisieren, stellt dieses Programm eine andere Frage: Wie könnten produktive Antworten auf Zensur, institutionelle Feigheit und kollektive Erschöpfung aussehen?
Im Mittelpunkt des Programms stehen Methoden, die interventionistisch vorgehen: Projekte wie das Alternative Denkmal für Deutschland (ADfD) des Alternative Monument collective, das sich öffentlichen Raum mit digitalen Mitteln aneignet. Ausgehend von queeren, feministischen und migrantischen Perspektiven widersetzt sich das Projekt fremdenfeindlichen Narrativen und wird im Rahmen von kollektiven Workshops kontinuierlich weiterentwickelt.
Die immersiven Spiele und Performances von Danielle Brathwaite-Shirley konfrontieren und demontieren festgefahrene Hegemonien. Danielles Arbeit begreift Archivierung als politische Praxis und verbindet sie mit Gaming als einer zeitgenössischen Form des kollektiven Austauschs über Identität, Privilegien und strukturelle Unterdrückung, die bestehende Erwartungen systematisch unterläuft.
Über die Theorie hinaus vermittelt das Programm konkrete Instrumente der Zusammenarbeit und stärkt Teilnehmende darin, bewusst andere strukturelle Ansätze in Institutionen, Festivals und der eigenen Praxis anzuwenden.
Das Gespräch mit der Filmemacherin Isidora Ilić und Gästen bietet Einblicke in die von Studierenden initiierte Protestbewegung in Serbien, die seit über einem Jahr erfolgreich Bildungseinrichtungen besetzt, um gegen Korruption und Missmanagement der Regierung zu protestieren.
In einem Versuch der Dominanz autoritärer Narrative und der Krise der Vorstellungskraft entgegenzuwirken, lädt Alicja Rogalska in ihrer Workshop-basierten künstlerischen Praxis die Teilnehmenden dazu ein, utopische Vorstellungen spielerisch auf die gelebte Realität anzuwenden.
Die Talks & Workshops laden das EMAF-Publikum herzlich dazu ein, Formen der (Selbst-) Organisation zu erproben und bestehende Strukturen und Institutionen herauszufordern.
Hier könnt Ihr Euch bis zum 17. April noch akkreditieren. Wir freuen uns auf Euren Besuch!
Picture Copyright: Alternative Monument collective
30.03.2026EMAF 39 - Programm jetzt online
Mit dem diesjährigen Themenschwerpunkt An Incomplete Assembly (Eine unvollständige Versammlung) möchten wir die Rolle und Verantwortung von (Kunst-)Institutionen beleuchten:
Welche Freiräume können und müssen sie bieten, während die Angriffe auf Kunst- und Meinungsfreiheit zunehmen? Wo verhindern sie aber auch offenen Austausch und Begegnung? Welchen Nutzen haben sie für wen, und auf wessen Kosten? Wie können ihre Ressourcen so genutzt oder umgeleitet werden, dass sie positive Veränderungen anstoßen?
Diesen Fragen widmen sich die zentrale Ausstellung, ein eigens kuratiertes Film- und Performanceprogramm sowie eine Reihe von Talks und Workshops. Auch in Festivalsektionen wie der Internationalen Auswahl, dem Campus und der Reihe Artist in Focus spielen diese Überlegungen eine Rolle.
Das komplette Programm findet Ihr ab sofort hier online.
Weitere Infos findet Ihr hier auf unserer Webseite und weiterhin auf unseren Social Media-Kanälen. Hier könnt Ihr Euch bis zum 17. April noch akkreditieren.
Wir freuen uns auf Euren Besuch!
17.03.2026EMAF 39 - Die Filmprogramme
Wir freuen uns, Euch heute einen ersten Einblick in die Beiträge der diesjährigen Filmprogramme zu geben. Insgesamt wurden aus den Einreichungen des Open Call 30 aktuelle Kurz- und vier Langfilme ausgewählt, die in Dialog treten mit drei weiteren, historischen Filmen. Angesiedelt zwischen formalem Experiment und popkulturellem Spiel, dokumentarischem Rückblick und kritischer Gegenwartsanalyse zeigen diese Arbeiten die Wandlungsfähigkeit von Film als künstlerischem und politischem Medium.
Zahlreiche Kurzfilme setzen sich mit subversiver Energie und trotzigem Humor gegen verordnetes Schweigen und politische Ohnmacht zur Wehr. What We Said to Brussels Airlines (BE/CD 2026) des kongolesisch-belgischen Collectif Faire-Part befragt schonungslos die Widersprüche künstlerischer Auftragsarbeiten: Wie zum Beispiel umgehen mit dem Angebot einer belgischen Fluggesellschaft, die Filme des Kollektivs, die tief im antikolonialen Widerstand verwurzelt sind, auf ihren Flügen auszustrahlen? Die vier Künstler*innen lassen uns teilhaben an ihrem Nachdenken über Formen der Verstrickung und Möglichkeiten der Intervention. Alee Peoples‘ Slowest Smile (US 2025) verbindet Bilder und Töne, Theorie und Gesang zu einem unorthodoxen Versuch, den Niedergang eines Imperiums zu beschreiben: vom Wimmelbild kapitalistischer Ausbeutung zum Bildersturz in römischer Kulisse, vom langsamsten Lächeln zum sinkenden Schiff.
An die Stelle jener Infrastrukturen, die die scheinbare Normalität unserer Gegenwart stützen, setzen eine Reihe von Filmen gemeinsame Aktion und die informelle Weitergabe von Wissen. A Bundle of Silences (PR 2025) von Sofia Gallisá Muriente rekonstruiert einen Banküberfall aus dem Jahr 1983, bei dem eine puerto-ricanische revolutionäre Gruppe mehrere Milionen Dollar von einer US-amerikanischen Bank erbeutete. Der Protagonist der Aktion, Víctor Gerena, wurde bis heute nicht gefasst. In einer eigenwilligen Mischung aus persönlichen Rückblicken, Archivmaterial und mit Kaffee und Tabak entwickeltem Filmmaterial reflektiert die Arbeit über Erinnern und Schweigen. Tulapop Saenjaroen fragt in Local Sensations (TH 2026), wie wir die Gegenwart festhalten und Vergangenes vergegenwärtigen können ohne Rückgriff auf die gewaltvolle Ordnung des Monumentalen. Der Film verwebt grafisch gestalteten Text mit Aufnahmen kollektiver Prozesse: Instabile Formen aus Glas, architektonische Skizzen, musikalische Improvation und Streifzüge im öffentlichen Raum lassen flüchtige Topografien entstehen und setzen dem Monumentalen den Moment entgegen.
Weitere Kurzfilme von: Basma Al-Sharif, Stephanie Barber, Magdalena Bermudez, Arief Budiman, Anouk Chambaz, Lin Htet Aung, Onyeka Igwe, Daniel Jacoby, Juliane Jaschnow & Stefanie Schroeder, José Jiménez, Taufiqurrahman Kifu& Hattie Wade, Vika Kirchenbauer, Martin Moolhuijsen, Peng Zuqiang, Adam Piron, Leonardo Pirondi, Marta Popivoda, Steve Reinke, María Rojas Arias, Viktoria Schmid, Mike Stoltz, Elisabeth Subrin, Maryam Tafakory, Yuliya Tsviatkova, Utkarsh und Saarlotta Virri.
In den Langfilmen begegnen wir sehr persönlichen Auseinandersetzungen mit Orten und ihrem Fortleben in unserer verkörperten und medialen Erinnerung. Ausgangspunkt für Kamal Aljafaris jüngsten Dokumentarfilm sind wiedergefundene MiniDV-Aufnahmen aus Gaza, gefilmt im Jahr 2001. Aljafari begab sich damals auf die Suche nach einem Mann, den er 1989 während der Haft kennengelernt hatte. With Hasan in Gaza (PS/DE/FR/QA 2025) dokumentiert seine Reise vom Norden in den Süden Gazas, begleitet von Hasan, einem einheimischen Reiseführer. Eine in ihrer Direktheit ebenso dringliche wie zarte Begegnung mit Menschen, die der Gewalt der Besatzung widerstehen, an Orten, die so für immer ausgelöscht sind.
In einem ganz anderen filmischen Register erzählt der animierte Langfilm Bouchra (US/IT/MA 2025) von Meriem Bennani und Orian Barki von einer jungen marokkanischen Filmemacherin, die in New York an einem autobiografischen Film arbeitet. Ihr eigenes Leben – ihre künstlerische Suche, ihre Liebesbeziehungen, das unklare Verhältnis zur Mutter nach ihrem Coming out –, verschränkt sich zusehends mit dem ihres filmischen Doubles. Bouchra bewegt sich elegant zwischen Zeiten und Orten, Selbstbefragung und Dialog, gelebter Erfahrung und ihren narrativen Verarbeitungen.
Auch in Nicolás Peredas Everything Else is Noise (MX/DE/CA 2026) vermischen sich die narrativen Ebenen. Der Film erzählt von drei zeitgenössischen Komponistinnen in Mexico City und von dem, was sie über sich selbst und über einander zu erzählen haben. Aufnahmen für ein Fernsehinterview in der Wohnung einer der Protagonistinnen setzen den Rahmen für ein Kammerspiel, in dessen Verlauf sich Zuneigung und Solidarität, Respekt und Rivalität zwischen den drei Frauen auf absurd-komische Weise überlagern, rhythmisch punktiert von Stromausfällen, einem bellenden Hund und dem Lärm der Straße.
Die unmittelbar politischen Dimensionen des Spiels mit Offenbarung und Camouflage der eigenen Person bearbeitet einer der historischen Dokumentarfilme. Underground (US 1976) von Emile de Antonio, Haskell Wexler und Mary Lampson basiert auf einem dreitägigen Interview mit führenden Mitgliedern des Weather Underground, einer militanten Gruppe, die den Umsturz der US-Regierung anstrebte. Im Wechsel mit Archivaufnahmen von revolutionären Bewegungen weltweit verbinden sich die Aussagen der Protagonist*innen – während sie der Kamera den Rücken zukehren, um ihre Identität zu schützen – zu einem differenzierten Porträt, das die massenmediale Darstellung der Gruppe widerlegt.
Weitere Langfilme von: Tenzin Phuntsog, Mohamed Soueid und Chetna Vora.
Expanded Cinema: Unburdened Recollections
Einen Blick zurück wirft auch die diesjährige Ausgabe der Expanded Cinema-Reihe Unburdened Recollections, die mit neuem Konzept fortgesetzt wird. Die Initiator*innen Anja Dornieden und Juan David González Monroy haben das Kurator*innenduo Mark Toscano und Zena Grey aus Los Angeles eingeladen, an zwei Abenden experimentelle Filme und Videos aus den 1960er und 70er Jahren zu zeigen. Ausgangspunkt ihrer Programme ist Gene Youngbloods Publikation aus dem Jahr 1970, in dem er Expanded Cinema als Kunstform beschreibt, die nicht nur den Film aus den Beschränkungen der Kinosituation befreit, sondern damit auch unsere Wahrnehmung und unser Bewusstsein erweitert.
Zu sehen sind Klassiker und Wiederentdeckungen von Arlo Acton & Terry Riley, Scott Bartlett, Jordan Belson, Tom DeWitt Ditto, Allan Kaprow, Yayoi Kusama & Jud Yalkut, Pat O’Neill, Lillian Schwartz & Ken Knowlton, John Schofill, Single Wing Turquoise Bird, Aldo Tambellini, Stan VanDerBeek & Ken Knowlton, James Whitney, John Whitney und Jud Yalkut & Nam June Paik.
Film- und Kunstprofessionals können sich weiterhin hier online akkreditieren.
Die von Inga Seidler kuratierte Ausstellung An Incomplete Assembly in der Kunsthalle Osnabrück zeigt aktuelle, internationale Arbeiten der Medienkunst, die größtenteils über die jährliche öffentliche Ausschreibung ausgewählt wurden. Die versammelten Positionen entstanden in den vergangenen Jahren und reichen von Installationen über filmische Arbeiten und Installationen bis hin zu digitalen Interventionen.
Thematischer Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Versammlung: das Zusammenkommen von Stimmen, Bildern, Körpern und Zeitordnungen. Wo solche Konstellationen immer wiederkehren, Abläufe ritualisiert und Narrative stabilisiert werden, bilden sich institutionelle Strukturen. Sie organisieren Öffentlichkeit, regeln Teilhabe, markieren Zugehörigkeit, ordnen – und produzieren Ausschlüsse.
Institutionen erscheinen dabei nicht als statische Gebilde oder klar umrissene Organisation, sondern als performative Ordnung: als Gefüge aus räumlichen Anordnungen, medialen Rahmungen und zeitlichen Regimen, das Wahrnehmung strukturiert und Verhalten formt. Die beteiligten Künstler*innen untersuchen, wie solche Ordnungen entstehen – durch Wiederholungen, Synchronisierung, räumliche Setzung und narrative Codierung –, worin sie sich manifestieren und wie sie sich im Vollzug stets neu herstellen. Zugleich fragen sie, wo diese Gefüge brüchig werden und welche anderen Formen des Zusammenkommens darin sichtbar werden.
Robin Kötzles Zwei-Kanal-Installation Sehen wer wir sein (s|w)ollten analysiert die mediale Konstruktion politischer Ereignisse. Synchron laufen Ausschnitte aus der ostdeutschen Aktuellen Kamera und der westdeutschen Tagesschau, die über Proteste zwischen 1952 und 1991 berichteten. Wenn ein Ereignis im jeweils anderen System nicht vorkommt, bleibt der Bildschirm schwarz. In dieser formalen Präzision werden ideologische Rahmungen, sprachliche Codierungen und historische Leerstellen erfahrbar. Sichtbarkeit erweist sich als Resultat institutioneller Entscheidung – als etwas, das hergestellt und ebenso verweigert werden kann.
Bethan Hughes richtet in Built to Order I den Blick auf eine Wohnsiedlung in Berlin-Neukölln und untersucht Architektur als Projektionsfläche sozialer Vorstellungen. Archivmaterial, Found Footage und neu gedrehte Aufnahmen entfalten sich auf zwei einander gegenüberliegenden Screens, verdichtet im Zusammenspiel mit Skulptur, Licht und Klang. Hughes zeigt, wie Überwachung, Disziplinierung, Projektion und rassifizierte Zuschreibungen in gebaute Strukturen eingeschrieben sind. Architektur fungiert nicht als neutraler Hintergrund, sondern als aktive Mitproduzentin gesellschaftlicher Ordnung.
Bianca Baldi erweitert diese Perspektive um eine zeitliche Dimension. In Hear her calendar system a year of thirteen months geht sie von einer Fotografie eines Feigenbaums in Äthiopien aus dem Familienarchiv aus. Daraus entwickelt sie eine Auseinandersetzung mit kolonialen Verwaltungs- und Kalendersystemen. Video, Zeichnungen und eine Vokalkomposition überlagern lineare und zyklische Zeitmodelle. Der Baum erscheint als mehr-als-menschliche Zeugin historischer Gewalt und zugleich als Verkörperung alternativer Zeitvorstellungen. Geschichte wird hier nicht als abgeschlossene Chronologie, sondern als veränderbares Gefüge lesbar.
Sarah Reva Mohr untersucht Machtdynamiken in sozialen und physischen Räumen und im Verhältnis von Mensch und Tier. Auch die Arbeit sensational view, tired screams behandelt einen institutionell organisierten Raum: den Zoo von Barcelona. In der Installation entfaltet sich eine vielschichtige Analyse des Zoos als Ort zwischen Fürsorgeversprechen und Machtausübung. Unterschiedliche Perspektiven machen koloniale Blickregime und die Ästhetisierung von Kontrolle sichtbar. Der Zoo wird zur Apparatur, in der Sehen, Wissen und Hierarchie ineinandergreifen und sich gesellschaftliche Machtverhältnisse materialisieren.
In Jarramplas untersucht Yalda Afsah ein jahrhundertealtes Ritual im spanischen Piornal, bei dem ein kostümierter Dorfbewohner von der Menge mit Rüben beworfen wird. Die filmische Arbeit konzentriert sich auf die Struktur der Versammlung: auf die Verdichtung von Körpern, das kollektive Handeln und die Dynamik, die entsteht, wenn sich individuelle Gesten in einer Gruppe synchronisieren. Indem wesentliche Elemente des Geschehens außerhalb des Bildes bleiben, verschiebt Afsah den Blick vom folkloristischen Narrativ hin zu den Mechanismen, durch die Gemeinschaft sich formiert.
Mit dem Alternativen Denkmal für Deutschland verlagert das Alternative Monument collective die Auseinandersetzung mit institutionalisierter Erinnerung in den öffentlichen und digitalen Raum. Das Augmented-Reality-Projekt besitzt keine dauerhafte physische Form, sondern aktiviert sich situativ über mobile Endgeräte. Visuelle Collagen, skulpturale Elemente und Soundfragmente verbinden individuelle Narrative von Migration, Exil und Verdrängung. Das Monument entsteht hier nicht durch Materialität oder Dauer, sondern durch kollektive Aktualisierung. Erinnerung wird als vielstimmiger Prozess erfahrbar, der sich jeder endgültigen Fixierung entzieht.
Im Rahmen der Talks, kuratiert von Franziska Pierwoss, öffnet ein Workshop mit dem Alternative Monument collective das „Alternative Denkmal für Deutschland“ als lebendige Plattform für Austausch und Experiment - und wird mit den Teilnehmenden untersuchen, wie ein zeitgemäßes Denkmal für Migration im öffentlichen Raum gemeinsam gestaltet werden kann.
Die Arbeiten in An Incomplete Assembly zeigen Institutionen als Choreografien von Bildern, Körpern und Zeitstrukturen, die Verhalten lenken und Zugehörigkeit organisieren. Indem sie mediale Leerstellen, architektonische Einschreibungen, zeitliche Raster und erinnerungspolitische Setzungen freilegen, eröffnen sie Räume, in denen Ordnung nicht als gegeben erscheint, sondern als verhandelbar.
Film- und Kunstprofessionals können sich weiterhin hier online akkreditieren.
Wir freuen uns auf Euren Besuch!
Picture Copyright: Bianca Baldi
17.02.2026EMAF 39 - Artist in Focus: Marwa Arsanios
In der Reihe Artist in Focus stellt das EMAF das filmische Werk namhafter zeitgenössischer Künstler*innen vor, teils auch im Dialog mit weiteren Filmen oder Beiträgen, die mit ihrem Werk in Verbindung stehen. In diesem Jahr präsentieren wir Arbeiten der im Libanon geborenen, in Berlin lebenden Künstlerin Marwa Arsanios (geboren 1978). Damit würdigen wir eine international beachtete künstlerische Praxis, in der Film und Recherche, politische Imagination und kritische Intervention eng miteinander verwoben sind.
Im Zentrum des Programms steht die seit 2017 fortlaufende, inzwischen fünfteilige filmische Serie Who Is Afraid of Ideology?. Darin begleitet Arsanios feministische Kollektive und Initiativen im irakischen Teil Kurdistans, in Syrien, im Libanon und Kolumbien, deren Einsatz für die Vergemeinschaftung und Rückgabe von Land mit ihrem Kampf um Selbstbestimmung Hand in Hand geht. In einem kontinuierlichen Prozess des Gesprächs und Austauschs portraitiert Arsanios Frauen, die in ländlichen Regionen kollektive, antikapitalistische und antipatriarchale Formen des Zusammenlebens praktizieren, die überlieferte Formen der Landnutzung gegenüber Privatisierung und kolonialer Besatzung verteidigen oder sich für die Wiederherstellung von historischem Gemeineigentum einsetzen. Die Weitergabe von Wissen, Solidarität und gegenseitige Unterstützung spielen dabei immer eine Rolle und werden auch in der filmischen Arbeit mit reflektiert.
Der aktuelle, fünfte Teil der Serie, Right of Passage (2026), entfaltet sich in der Welt des Traums. In ihr sind jene Grenzziehungen, die Eigentum und Territorium begründen, die Menschliches von Nichtmenschlichem und Vergangenes von Gegenwärtigem trennen, suspendiert. Ihre Durchlässigkeit ermöglicht die freie Passage unterschiedlicher „politischer Tiere“, die Artikulation traumatischer Verluste und Bildung neuer Allianzen.
Im Dialog mit ihren eigenen Arbeiten zeigt Arsanios Filme von Simone Bitton, Mohammad Malas und Reem Shilleh, die ergänzt und erweitert werden durch Workshops, Lesungen und Gespräche mit Ali AlAdawy, Haytham el-Wardany und Stefanie Baumann. Sie orientieren sich an Fragen, die Arsanios folgendermaßen skizziert:
„Wie können wir von Filmen lernen, die aus dem Land heraus entstehen, die in Landkonflikten verwurzelt sind und selbst zu pädagogischen Objekten werden? Welche filmischen Formen erwachsen aus der Topografie eines Ortes, seiner geografischen Beschaffenheit und seinen Böden? Und wie wird das Filmset seinerseits zu einem pädagogischen Raum für diese Konflikte?“
Bereits in ihren früheren Arbeiten reflektiert Arsanios das filmische Bild und ihre eigene Verstrickung in unterschiedliche Prozesse der Bilderzeugung zwischen dokumentarischem und fiktionalem Erzählen, militantem Filmemachen und künstlerischer Intervention. In Have You Ever Killed a Bear or Becoming Jamila (2014) begegnen wir der legendären algerischen Revolutionärin Djamila Bouhired in unterschiedlichen medialen Verkörperungen. Von der ikonischen Figur Bouhired ausgehend fragt Arsanios, wie die sozialistischen Projekte und nationalen Befreiungsbewegungen der Vergangenheit feministische Projekte befördert oder marginalisiert haben. In Amateurs, Stars and Extras or Labor of Love (2018) wird das Filmset zum Ort, an dem jene unsichtbaren Formen reproduktiver Arbeit erscheinen, die dem kapitalistischen System Stabilität und Dauer verleihen. In komplex gebauten, inszenierten und dokumentarischen Szenen sprechen Frauen in Mexiko und dem Libanon von Arbeit, Freizeit und Widerstand.
Zur Biografie:
Marwa Arsanios’ Arbeit kreist um strukturelle Fragen. Sie versucht Raum innerhalb von und parallel zu bestehenden Kunststrukturen zu schaffen, der das Experimentieren mit unterschiedlichen Formen der Versammlung ermöglicht – beginnend mit architektonischen Räumen, ihrer Transformation und Anpassungsfähigkeit, bis hin zu von Künstler*innen betriebenen Räumen und temporären Zusammenkünften. In den letzten Jahren widmeten ihr u.a. das Haus für Kunst Uri (2026), die Joan Miro Foundation (2025), das Artium Museum (2025), BAK Utrecht (2024), der Heidelberger Kunstverein (2023), Mosaic Rooms, London (2022) und das Contemporary Arts Center, Cincinnati (2021) Einzelausstellungen. Sie war außerdem an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen beteiligt, wie jüngst der Documenta 15 (2022), der Sydney Biennial (2022), der 11th Berlin Biennale (2020) und der Gwangju Biennial (2018). Ihre Filme werden regelmäßig auch bei internationalen Filmfestivals gezeigt.
Bildrechte: Mariam Mekawi
05.02.2026EMAF 39 - Jetzt akkreditieren!
Am 22. April beginnt in Osnabrück das European Media Art Festival. Ab sofort können sich Film- und Kunstprofessionals hier online akkreditieren.
Mit einer Akkreditierung erhältst du freien Zugang zu allen Filmprogrammen, Ausstellungen, Performances und Vorträgen sowie den Festivalkatalog.
Studierende können sich zu einem ermäßigten Tarif von 20 € akkreditieren.
Für eine kostenlose Presseakkreditierung wende dich bitte an presse@emaf.de.
Die Deadline für Akkreditierungen ist der 17. April.
Wir freuen uns, dich im April zu begrüßen!
28.01.2026EMAF 39 - Das Thema "An Incomplete Assembly"
Institutionen zielen darauf ab, flüchtige Verhältnisse wie Macht, Arbeit und Privilegien, aber auch Sprache und Emotionen möglichst effizient zu ordnen und diese Ordnung auf Dauer zu stellen. Welchen Nutzen haben sie für wen und auf wessen Kosten? Und unter welchen Bedingungen sind sie bereit, ihre einmal instituierte Ordnung zu verändern? Diese Fragen stellen sich auch im Hinblick auf die Rolle und Verantwortung von Kulturinstitutionen – und zwar nicht erst seit massive Angriffe auf die Freiheit der Kunst auch die Daseinsberechtigung ihrer Institutionen in Zweifel ziehen und die Ungleichheiten und Ausschlüsse in der Kulturszene mit besonderer Deutlichkeit vor Augen führen. Gleichzeitig ist zu vermuten, dass sich in jenen Codes of Conduct, Mission Statements und anderen schriftlichen Selbstverpflichtungen, mit denen immer mehr Kulturinstitutionen an die Öffentlichkeit treten, nicht nur ein zunehmender Druck von außen artikuliert, die eigene Ethik und Programmatik zu vereindeutigen, sondern auch eine innere Verunsicherung der Institutionen selbst. Gibt es ein Außen der Institutionalisierung, oder grundsätzlich andere Codes, Vereinbarungen und Formen der Versammlung, und wie könnten diese für Kunst und Kulturarbeit aussehen?
Im Rahmen des diesjährigen Themenschwerpunkts An Incomplete Assembly wollen wir in Talks, Ausstellungen, Filmprogrammen, Performances und Workshops betrachten, was Institutionen vermögen: welche Aussagen, Haltungen und Handlungen sie ermöglichen, welche sie aber auch übersehen, übergehen oder aktiv unterbinden; wie die Normierung von Sprache, Körpern, Räumen und Zeit bestehende Strukturen verfestigt, und wie künstlerische und nichtkünstlerische Bewegungen diesen normativen Ansprüchen begegnen.
Die von Inga Seidler kuratierte Ausstellung denkt Institutionen als „performative Ensembles“, als choreografierte Abläufe, als kollektive Gefüge aus Rollen, Rhythmen und stillen Vereinbarungen, die sich lesen, anpassen, stören und improvisieren lassen. Die gezeigten Arbeiten nutzen Bewegung, Musik und gemeinschaftliche Situationen, um diese Ordnungen sichtbar sowie körperlich und zeitlich erfahrbar zu machen. Sie loten jene Räume und Möglichkeiten aus, die dort entstehen, wo Abläufe ins Stocken geraten, Rollen herausgefordert und Codes unterbrochen oder verschoben werden. Dabei zeigen sie, wie institutionelle Systeme Verhalten normieren, Zugehörigkeiten organisieren und zugleich form- und irritierbar bleiben.
Das Filmprogramm zum Thema, kuratiert von Ana Vaz, denkt Film jenseits der Rezeption abgeschlossener Werke. Es untersucht Praktiken, die den Herstellungsprozess nicht als Mittel zum Zweck, sondern als konstitutiven Bestandteil der Werke selbst betrachten. Jenseits von Fragen der Darstellung kommen damit die Bedingungen für die Entstehung bewegter Bilder in den Blick – seien sie filmisch oder performativ. Die Reihe fragt nach der Handlungsmacht ihrer Autor*innen, Beteiligten und Nutzer*innen und stellt Verbindungen her zwischen On- und Offscreen, Bühne und Backstage. Hier wird Film eher zu einer Form der Aufmerksamkeit, der Einstimmung aufeinander und des kollektiven Schaffens, zu einem Mittel für die Erprobung wünschenswerter und widerständiger Zukünfte.
Die von Franziska Pierwoss kuratierten Talks und Workshops befassen sich praxisorientiert mit den alltäglichen Realitäten der Kulturarbeit. Das Programm richtet sich an Filmemacher*innen, Kurator*innen, Organisator*innen und Studierende gleichermaßen und fragt, wie wir arbeiten – vor Ort, im Prozess und in Beziehung zueinander. Während wir gern – und völlig zu Recht – die Kontraproduktivität von Institutionen kritisieren, stellt dieses Programm eine andere Frage: Wie könnten produktive Antworten aussehen – auf Zensur, institutionelle Feigheit und kollektive Erschöpfung? Das Programm wendet sich Praktiken zu, die interventionistisch vorgehen, indem sie digital in den öffentlichen Raum eingreifen oder festgefahrene Hegemonien aufbrechen, und lädt dazu ein, sich innerhalb bestehender Strukturen zu organisieren und diese gleichzeitig herauszufordern.
In ihrer Reihe „What Is Needed“ betrachten Raquel Schefer und Philip Widmann die „Mostra Internacional de Cinema de Intervenção“, ein Festival, das 1976 im postrevolutionären Portugal stattfand. Es war der einzigartige Versuch, unterschiedliche Befreiungs- und Emanzipationsbewegungen miteinander zu verbinden. Das Nebeneinander militanter Filme aus dem Globalen Norden und Süden im Festivalprogramm deutet darauf hin, dass das kritische Potenzial des Kinos im Wesentlichen den Süd–Süd-Netzwerken audiovisueller Unabhängigkeit zu verdanken war. Aus der Perspektive der fünf Jahrzehnte, die seit der Mostra vergangen sind, beleuchtet die Reihe die Widersprüche einer Integration von „Intervention“ in die Institutionen einer postfaschistischen, liberal-demokratischen Gesellschaft, die entgegen aller Behauptungen an westlicher Vorherrschaft festhält.
Die Reihe ist eine Kooperation mit Doc’s Kingdom und dem Projekt Paranational Cinema—Legacies & Practices an der Universität Zürich.
Die Kurator*innen:
Franziska Pierwoss arbeitet als Künstlerin mit Performance und Installation. Ihre Projekte untersuchen Lebensmittelsysteme als politische Symbole und Materialien innerhalb sozialer und finanzieller Sphären. Sie hat in Leipzig und Beirut studiert und ihre Arbeiten u.a. auf der Sharjah Biennale, in der nGbK, im Jameel Arts Centre und bei Urbane Künste Ruhr gezeigt.
Raquel Schefer ist Filmemacherin, Filmkuratorin und Associate Professor an der Universität Sorbonne Nouvelle in Paris. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift La Furia Umana und ehemalige Programmberaterin für die Festivals IDFA und Encuentros del otro cine (EDOC).
Inga Seidler ist eine in Berlin lebende freie Kuratorin und Projektmanagerin. Sie war Ausstellungskuratorin des transmediale Festivals und leitete das Web Residency Programm der Akademie Schloss Solitude. Seit 2021 kuratiert sie u.a. die Ausstellungen des EMAF.
Ana Vaz ist Künstlerin und Filmemacherin. Ihre Arbeiten befragen Film als Kunst des (Un-)Sichtbaren und Instrument zur Verwandlung der menschlichen Wahrnehmung. Sie beleuchten die tiefgreifenden Widersprüche unserer Zeit und insbesondere die destruktiven Praktiken der kolonialen Moderne.
Philip Widmann ist Researcher, Kurator und Filmemacher und arbeitet derzeit im Projekt „Paranational Cinema – Legacies & Practices” an der Universität Zürich. Er ist Herausgeber von Film Undone – Elements of a Latent Cinema, einer Sammlung von Zugängen zu nicht realisierten und unvollendeten Filmen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
23.12.2025EMAF 39 - Vielen Dank!
Gestern ist unser Call for Entries zu Ende gegangen, und wir sind begeistert über die große Zahl von Arbeiten, die uns in den vergangenen Monaten erreicht haben – vielen Dank für Euer Vertrauen!
Unsere kuratorischen Teams haben bereits mit der Sichtung eurer Einreichungen begonnen und werden daraus ein spannendes Festivalprogramm entwickeln. Wir freuen uns darauf, Euch in den kommenden Monaten über die Vorbereitungen für das 39. EMAF auf dem Laufenden zu halten!
Auf bald!
20.10.2025EMAF 39 - Meet the Programmers
Die Sichtungen haben begonnen, und wir freuen uns sehr euch die Personen vorzustellen, die in den kommenden Monaten die zahlreichen Filmeinreichungen diskutieren und aus ihnen das Festivalprogramm zusammenstellen werden. Juan David González Monroy, Rita Macedo, Christina Stuhlberger und Clarissa Thieme waren bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit Katrin Mundt für die Programmierung der Kurz- und Langfilme verantwortlich. Neu im Team ist in diesem Jahr Tendai Mutambu, den wir ganz herzlich willkommen heißen!
Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit in den kommenden Monaten! Ab Mitte März werden wir die Ergebnisse der Auswahl bekanntgeben.
Die Auswahlkommission 2026
Juan David González Monroy ist ein in Berlin lebender bildender Künstler. Seit 2010 arbeitet er mit Anja Dornieden unter dem Namen OJOBOCA zusammen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen fotochemischer Film und Kino als soziales Ritual. Die Filme, Installationen und Performances von OJOBOCA wurden auf Festivals, in Solo-Screenings und Ausstellungen gezeigt, darunter im Museum of the Moving Image, im ICA London, auf der Berlinale und dem New York Film Festival. Juan arbeitet als Archivar für das Arsenal – Institut für Film und Videokunst, wo er die Reihe Condition Report kuratiert, für die er Filmkopien aus dem Archiv auswählt und vorführt.
Rita Macedo ist Filmemacherin und Künstlerin und lebt in Berlin. Ihre Arbeiten, die international in Ausstellungen und auf Filmfestivals gezeigt werden, bewegen sich zwischen Nichtfiktionalem, spekulativer Erfindung und narrativer Disruption und erforschen die instabilen Terrains von Bedeutung und Erinnerung. Durch eine Praxis, die sich einer vereindeutigenden Interpretation widersetzt, untersucht sie die sich wandelnden Beziehungen zwischen Bild, Wahrnehmung und Zeit. Sie ist Künstlerische Mitarbeiterin an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.
Tendai Mutambu ist Autor und Kurator. Seine Arbeit konzentriert sich auf zeitgenössische Künstler*innenfilme und Essays, mit einem Schwerpunkt auf Praktiken der schwarzen Diaspora. Zuletzt war er Development Editing Fellow für Logic(s) am INCITE Institute der Columbia University und Associate Producer für Aura Satz’ Preemptive Listening. Er war kuratorisch für Spike Island, LUX Moving Image, das London Film Festival, das Berwick Film and Media Arts Festival (alle in Großbritannien) und Govett-Brewster/Len Lye Centre (Neuseeland) tätig. Er schreibt regelmäßig Beiträge für Ocula, Art Monthly UK und ArtReview.
Christina Stuhlberger ist eine in Wien und Brüssel lebende Künstlerin und Filmemacherin. Sie ist Mitbegründerin von elephy, einem Kollektiv und einer Plattform für Film und audiovisuelle Kunst, und arbeitet als Gastkuratorin für das Courtisane Film Festival in Gent. Neben ihrer künstlerischen Arbeit ist sie Doktorandin an der LUCA School of Arts in Brüssel und unterrichtet im Rahmen des internationalen Masterstudiengangs Doc Nomads im Bereich Dokumentarfilm.
Clarissa Thieme ist Filmemacherin und Künstlerin. Ihre Filme, Installationen und performativen Interventionen konzentrieren sich auf Brüche zwischen individueller Erinnerung und ihrer Übersetzung in Prozesse historischer Objektivierung. Ihre aktuelle Arbeit erforscht ein lebendiges Archiv als neues Gemeingut und Verletzlichkeit als künstlerische Strategie des Widerstands und der Solidarität. Thieme ist Mitbegründerin von ARchipelago, einer ortsspezifischen Archivierungsplattform, und der Open-Archive Initiative Između Nas/Between Us Sarajevo. Sie ist Doktorandin am Artistic Research Center (ARC) an der Wiener Filmakademie (mdw).
Das 39. European Media Art Festival findet vom 22. bis zum 26. April 2026 statt. Die Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück wird über die Festivallaufzeit hinaus bis zum 25. Mai 2026 zu sehen sein.
Wir sind weiterhin gespannt auf Eure Einreichungen!
16.09.2025EMAF 39 - Call for Entries
Medienkünstler*innen aus der ganzen Welt können ihre Arbeiten jetzt für die Sichtung zum European Media Art Festival 2026 einreichen. Hier geht es direkt zur Online-Plattform.
Die Einreichfrist endet in diesem Jahr bereits am 22. Dezember 2025.
Wir freuen uns über aktuelle Arbeiten aus den Bereichen Film (experimentelle Kurz- und Langfilme), Installation (installative, interaktive, raumbezogene oder skulpturale Medienkunstarbeiten) und Expanded (Performances, Live-Events oder Workshops).
Das Einreichen von Arbeiten ist kostenfrei.
Unser internationales kuratorisches Team wird aus den eingereichten Arbeiten das Programm für das kommende Festival zusammenstellen. Für alle für das Festival ausgewählten Beiträge werden Künstler*innenhonorare gezahlt. Ein Premierenstatus ist nicht notwendig. Näheres zum Einreich- und Auswahlprozess sowie zu technischen Anforderungen sind unserem Reglement zu entnehmen.
Das 39. European Media Art Festival findet vom 22. bis zum 26. April 2026 statt. Die Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück wird über die Festivallaufzeit hinaus bis zum 25. Mai 2026 zu sehen sein.
Wir sind gespannt auf Eure Einreichungen!
12.05.2025Internationaler Museumstag - Führung mit Kuratorin Inga Seidler
Zum Internationalen Museumstag am 18. Mai führt Ausstellungkuratorin Inga Seidler um 15 Uhr in der Kunsthalle Osnabrück durch die diesjährige EMAF-Ausstellung Witnessing Witnessing. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Agil Abdullayev, Alisa Berger, Karolina Breguła, Doplgenger (Isidora Ilić und Boško Prostran), Hannah Hallermann, Flo Kasearu, Gabriela Löffel und Benedikt Terwiel. Die Teilnahme ist kostenlos.
Außerdem zeigen wir Dimitris Athiridis’ Dokumentarfilm exergue – on documenta 14 (GR 2024, 848 Minuten, Deutsch, Englisch, Griechisch mit englischen Untertiteln). Die letzten vier Teile des insgesamt 14-stündigen Films sind von 13 bis 18 Uhr zu sehen.
exergue – on documenta 14 begleitet den Künstlerischen Leiter Adam Szymczyk und sein kuratorisches Team bei der Arbeit an der weltweit bedeutendsten Kunstausstellung, die 2017 erstmals in Kassel und Athen stattfand. Entstanden ist ein einzigartiger Blick hinter die Kulissen der institutionellen Kunstwelt in einer sich verändernden politischen Landschaft. Die Teile 1 bis 4 sind am 16. Mai von 13 bis 18 Uhr zu sehen, die Teile 5 bis 10 am 17. Mai von 11.30 bis 18 Uhr.
28.04.2025EMAF 38 - Dankeschön!
Nach fünf Tagen ist gestern Abend das 38. European Media Art Festival zu Ende gegangen. Mehr als 160 Filme, Installationen, Performances und Talks waren an neun verschiedenen Orten in der Stadt zu sehen und erleben. Einer der Höhepunkte: die Verleihung des EMAF Medienkunstpreises des Verbands der deutschen Filmkritik (VdFk) gestern Vormittag in der Kunsthalle Osnabrück.
Ausgezeichnet wurde Daphné Hérétakis für ihre Arbeit What We Ask of a Statue Is That It Doesn’t Move (GR, FR 2024, 31´).
Der Film beschäftigt sich mit der aktuellen politischen Lage in Griechenland: Nichts scheint sich in Athen zu bewegen, und die Menschen sind still wie Statuen. Doch anderswo in der Stadt flieht eine Karyatide aus dem Museum, und eine Splittergruppe fordert die Zerstörung aller Altertümer. Vielleicht ist das Filmemachen die einzige Möglichkeit, nicht zu Stein zu werden. So die Synopsis.
In der Begründung der Jury - bestehend aus Günter Minas, Bianca Jasmina Rauch und Hannes Wesselkämper - heißt es: „Mit anarchistischem Humor und changierend zwischen Dokumentation und Fiktion folgt die Regisseurin einer (fiktiven) Bürgerinitiative, die die Vergangenheit durchkreuzen, den Parthenon in Athen sprengen und stattdessen Statuen von Menschen unserer Zeit schaffen will. Das Erstarren angesichts der gegenwärtigen politischen Lage wird in neue Bewegung transformiert, jahrhundertealte Traditionen mit diebischer Freude über Bord geworfen. So stellt What we ask of a statue is that it doesn’t move auf kluge Weise die Frage in den filmischen Raum: Welche Überreste von uns würde die Archäologie der Zukunft vorfinden?”
Ausdrücklich lobend erwähnt hat die Jury den Film Tila•pia von Crispin Yanisi, der “mit dem titelgebenden Fisch in einen ästhetischen Dialog tritt: Sein Schicksal vom Netz bis auf den Teller verhandelt dabei das Thema der Interkulturalität in ausgewogen komponierten Bildern und einem fundierten künstlerischen Zugang”, so die Jury.
Beide Filme waren zuvor in der Internationalen Auswahl zu sehen. Erstmals in diesem Jahr werden alle der 31 dort gezeigten Arbeiten mit dem EMAF Award ausgezeichnet. Die bisher vergebenen Preisgelder werden in gleichen Teilen an die ausgewählten Künstler*innen vergeben. Die Preisträger*innen sind:
Lawrence Abu Hamdan, Ben Balcom, George Clark, Theo Cuthand, Chloë Delanghe& Mattijs Driesen, Sam Drake, Eitan Efrat & Sirah Foighel Brutmann, Zachary Epcar, Kevin Jerome Everson, Laurence Favre, Maïder Fortuné, Daphné Hérétakis, Mina Heydari-Waite, Hyejin Jung, Ferney Iyokina Gittoma, Pranami Koch, Mónica Martins Nunes, Ella McConnell, Monica Panzarino, Franca Pape, Kanthy Peng, Martyna Ratnik, Jazmin Rojas Forero, Sylvia Schedelbauer, Silke Schönfeld, Lina Selander, Jonathan Seungjoon Lee, Micah Weber, Helena Wittmann, Crispin Yanisi und Else/Xun Zhang
Weitere Informationen zu den Filmen finden Sie hier.
Allein am Abend der Eröffnung hat die Kunsthalle Osnabrück fast 1.000 Besucher*innen gezählt. Wir freuen uns über die vielen Gäste, die das EMAF zum ersten Mal besucht haben, sowie über all diejenigen, die uns schon seit Jahrzehnten die Treue halten – vielen lieben Dank! Ein großes Dankeschön geht auch an alle Unterstützer*innen, Kooperations-, Kultur- und Medienpartner*innen (mehr Infos zu ihnen gibt es hier) sowie an alle Helfer*innen!
Die von Inga Seidler kuratierte Ausstellung “Witnessing Witnessing” in der Kunsthalle Osnabrück ist noch bis zum 25. Mai zu den regulären Öffnungszeiten der Kunsthalle zu sehen. Führungen finden jeden Sonntag um 16 Uhr statt und können außerdem über presse@emaf.de gebucht werden.
Wir bedanken uns für Euer Interesse und freuen uns auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr! Das 39. European Media Art Festival findet vom 22. bis 26. April 2026 statt.
Viele Grüße vom Team des EMAF 2025!
Picture Copyright: Angela von Brill
25.04.2025EMAF 38 - Tipps für das Wochenende
In der Internationalen Auswahl werden - oft erstmals in Deutschland - Arbeiten renommierter wie junger Künstler*innen aus aller Welt gezeigt. Ein zentrales Motiv ist das Wiederaufsuchen von persönlichen und politischen Geschichten im direkten Gespräch, aber auch in der Begegnung mit Orten und Landschaften. Einige Künstler*innen spielen mit filmischen Genres, vor allem mit Elementen von Horror und Suspense, was auch mit ihrem Unbehagen an der Gegenwart zu tun haben mag. Die mehr oder weniger gezähmte Natur - der Garten, der Park, der Urwald - taucht dabei immer wieder auf als historischer Schauplatz, persönlicher Ankerpunkt oder utopischer Entwurf für ein anderes Zusammenleben. Im Programm „A Deflected Signal“ morgen um 11 Uhr in der Lagerhalle sind folgende Filme zu sehen:
Dreams Of My Father, Jonathan Seungjoon Lee, KR, AR, NL 2024, 15’
Colorful Colorado Nails, Monica Panzarino, US 2024, 6’
Dreams of Sunlight Through Trees, Theo Cuthand, CA 2024, 15’
she’s waiting for the sunset, Martyna Ratnik, LT 2024, 8’
母の手紙 / Mother’s Letter, Sylvia Schedelbauer, DE 2025, 24’
Im Anschluss an die Vorführung findet ein Q&A mit den anwesenden Filmemacher*innen statt (in englischer Sprache).
Im April 2024 berichteten Nahed Samour und Pary El-Qalqili beim EMAF über die Repression und das Silencing von Stimmen in Deutschland, die sich mit Palästina solidarisch zeigen. Ein Jahr später wirft Samour einen Blick auf den aktuellen Stand der Dinge: Wie lässt sich der gegenwärtige gesellschaftliche Zustand bezeichnen? Ist er bereits permanent geworden?
Gemeinsam mit Anita Di Bianco und Natascha Sadr Haghighian diskutiert Nahed Samour morgen um 13 Uhr in der Kunsthalle im TalkI could swear my face was touching stone: Continuities.
In ihrem fortlaufenden Projekt Corrections and Clarifications trägt Anita Di Bianco fortlaufendes Projekt Corrections and Clarifications, seit dem 1. September 2001 die täglich in Printmedien erscheinenden Widerrufe, Neuformulierungen, Differenzierungen und Entschuldigungen zusammenträgt. Indem sie von der Gegenwart aus in der Chronologie zurückgeht, zeigt Di Bianco, dass die Vorstellung von historischen Brüchen selbst Teil der Fehldarstellung und Verzerrung ist. Natascha Sadr Haghighians Essay Was ich noch nicht erkenne, jetzt in diesem Moment untersucht vorsätzliche Ignoranz als Teil von strukturellem Rassismus und Gewalt in Deutschland. Wie kann man jene Einstellungen verlernen, die die eigene Wahrnehmung prägen und vernebeln, um Resonanzen mit dem Wissen und den Erfahrungen von migrantischen Communities zu ermöglichen? In einer kollektiven Lesung intervenieren Stimmen in das Schweigen und die Leerstellen. Sie bezeugen Kontinuitäten der Verleugnung und eröffnen einen Austausch über die Schwierigkeiten des Sprechens und der Fürsprache sowie über Akte der Verweigerung in einer sozialen Landschaft des vorauseilenden Gehorsams.
Aus dem Bereich der Langfilme empfehlen wir morgen die Deutschlandpremiere von Yrupẽ (ES 2025, 79´) von Candela Sotos – im spanischen Original mit englischen Untertiteln.
Die Suche nach „Die Irupé-Blume“, einem verschollenen Film von Guillermo Fernández-Zúñiga – einem spanischen Pionier des Wissenschaftsfilms, der nach dem Spanischen Bürgerkrieg ins argentinische Exil ging – wird zum Auslöser für eine Reise durch Familiengeschichten und Nationalarchive. Während wir das langsame Wachstum der Yrupé in einem Aquarium auf einem Parkplatz einer Kunsthochschule in Buenos Aires verfolgen, treten nach und nach Schichtungen von Bildern und Leerstellen zutage.
Im Anschluss an die Vorführung findet ein Q&A mit der Filmemacherin statt (in englischer Sprache). Los geht´s morgen um 17 Uhr im Filmtheater Hasetor.
Auch wenn mit der Internationalen Auswahl bereits 31 Arbeiten als EMAF-Preisträger*innen ausgezeichnet wurden – am Sonntag feiern wir die Preisverleihung des Verbands der deutschen Filmkritik – um 11 Uhr in der Kunsthalle Osnabrück.
Die Juror*innen des Verbands der deutschen Filmkritik (VdFk), Günter Minas, Bianca Jasmina Rauch und Hannes Wesselkämper, diskutieren die Filme der Internationalen Auswahl und vergeben im Anschluss den EMAF Medienkunstpreis des Verbands der deutschen Filmkritik.
Nach der Vorführung des Preisträgerfilms laden wir alle Anwesenden ganz herzlich zu einem Umtrunk und Snacks ein.
Wer möchte, kann danach gleich in der Kunsthalle Osnabrück bleiben und sich von unseren Vermittler*innen durch die Ausstellung führen lassen. Übermorgen um 16 Uhr ist die letzte Chance während des Festivals. Morgen gibt es noch um 12, 16 und 18 Uhr öffentliche Führungen.
Aber auch nach dem Festival gibt es jeden Sonntag um 16 Uhr eine öffentliche Führung – bis zum Ende der Ausstellungszeit am 25. Mai. Gruppen können sich per e-mail an presse@emaf.de für eine Führung anmelden. Für Schulklassen gibt es besondere Angebote und Konditionen.
Ein weiteres Highlight zum Ende des Festivals bietet am Sonntag um 18 Uhr in der Lagerhalle der LangfilmMacumba (BRD 1982, 88´) von Elfi Mikesch. Der Film erzählt die Geschichte von Magda, die mit ihren Freund*innen in einem Berliner Haus lebt, dessen Tage gezählt sind. Alle folgen auf ihre Weise bestimmten Obsessionen. Ein gewisses Delirium macht den Alltag zum Traumgeschehen, zur tranceartigen Bewegung in eine ungewisse Zukunft. Max Taurus, schnüfflerisch begabt und sich selbst als „Detektiv“ bezeichnend, folgt einer Spur, die ihn ausgerechnet in dieses Abrisshaus führt, in dem er meint, einen Mord verhindern zu können. Dabei gerät er in eine labyrinthische Geschichte, aus der er sich nicht mehr zu befreien vermag. Das Krachen der Abrissbirne zum Klang von Silvestre Revueltas’ Musik wird zum Abgesang auf ein Lebensgefühl, das sich aus den 1960er Jahren speist.
Im Anschluss an die Vorführung findet ein Q&A mit der Filmemacherin statt (in deutscher Sprache).
Wir wünschen Euch ein sonniges Wochenende beim EMAF in Osnabrück und freuen uns auf eine tolle zweite Hälfte des Festivals!
24.04.2025EMAF 38 - Eröffnung
Wow! Wir freuen uns über die zahlreichen Besucher*innen, die gestern Abend bei der Eröffnung des 38. European Media Art Festivals in der Kunsthalle Osnabrück dabei waren. Es war ein toller Abend und wir bedanken uns für Euer Interesse, und für die vielen wertschätzenden Worte. Während für Juliane Schickedanz (Leitung Kunsthalle Osnabrück) mit den EMAF-Flaggen der Frühling beginnt, wehte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter vom Ladenlokal in der Bierstaße 13 das EMAF-Flair quasi bis ins Rathaus. “Das EMAF ist kein klassisches Filmfestival, bei dem Lang- oder Kurzfilme gezeigt werden”, so der scheidende Staatssekretär Dr. Jörg Mielke.
“Sondern das EMAF ist ein Filmfestival, wo wir einen ganz starken Übergang haben vom filmischen Ausdruck zu einer künstlerischen Ausdrucksform mit Installationen und Produktionen, wie wir sie sonst nicht finden.”
Vier Tage lang sind nun mehr als 160 Filme, Installationen, Performances und Talks zu sehen – an neun verschiedenen Orten in der Stadt. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Besuch der Programme unserer Gäste von den Klassen der Kunsthochschulen Szczecin und Helsinki? Beide sind heute um 13 Uhr bzw. um 19 Uhr zu sehen.
Der Alltag von sechs Filmemacher*innen, Studierenden der Kunstakademie Szczecin, spielt sich vor dem Hintergrund wachsender Unruhen, sozialer Spannungen, dramatischer politischer Krisen und Kriege, im Bewusstsein einer irreversibel voranschreitenden Klimakatastrophe und der zunehmenden Verbreitung psychischer Probleme ab. Täglich treffen neue Nachrichten ein – sowohl aus dem eigenen Land als auch aus der übrigen Welt –, die oft direkte Auswirkungen auf das Leben der jungen Menschen haben. Der Kurzfilm It Will Be a Very Difficult Conversation erzählt in sechs Kapiteln die persönlichen Geschichten der sechs Filmemacher*innen und thematisiert dabei teils schwierige, oft auch unangenehme, aber zugleich äußerst wichtige Probleme. Um 13 Uhr in der Lagerhalle.
Die Arbeit Ensemble der Studierenden der Kunsthochschule Helsinki kombiniert Film mit einer Live-Performance, und: einem Brief aus der Vergangenheit: „Wenn du an Räume und Bilder denkst, hast du vielleicht bestimmte Erwartungen: Wie passt das Bild in den Raum? Wie werde ich selbst hineinpassen? Unser Raum wird zeitlich und örtlich in Bewegung sein“, heißt es darin. Und weiter: „Wir möchten nicht, dass du weißt, wo der nächste Akt beginnt. Gibt es eine lineare Abfolge oder einfach nur eine Ansammlung von Anfängen und Enden? Hat der Raum ein Ende oder beginnt etwas Neues? Manchmal öffnen sich die Portale für alle gemeinsam, und manchmal sind da Erfahrungen, die nur für eine einzelne Person gedacht sind. Wir begleiten dich durch Projektionen oder Stimmen, die um dich herum auftauchen.“ Heute, um 19 Uhr, im Haus der Jugend.
In der Internationalen Auswahl erwartet Euch heute Abend um 22 Uhr 30 in der Lagerhalle das Programm An Ear-Splitting Blur – mit Filmen von Sam Drake und Lawrence Abu Hamdan.
Fragmentierte Aufzeichnungen enthüllen in Suspicions About the Hidden Realities of Air (US 2025) von Sam Drake eine verborgene Geschichte von Strahlungsexperimenten am Menschen aus der Zeit des Kalten Krieges, die durch einen Dunst von Manipulationen und eingebetteten Studien an die Oberfläche tritt. Wüstenstaub setzt sich in den Zähnen fest und hinterlässt eine Spur. Verseuchte Bilder beschwören das Unsichtbare herauf.
The Diary of a Sky (LB 2024) von Lawrence Abu Hamdan entfaltet eine atmosphärische Sinfonie der Gewalt über Beirut, in der die unaufhörlichen Bewegungen israelischer Militärflugzeuge und das Brummen von Generatoren bei Stromausfällen auf eindringliche Weise miteinander verschmelzen. Dieser 45-minütige Videoessay lässt die Zuschauer*innen in eine beängstigende Chronik des Alltags eintauchen, in dem der Luftraum zur Waffe und durch den Terror der wiederholten Angriffe zu einer beunruhigend banalen Kulisse wird.
New Red Order – unsere Artists in Focus – zeigen morgen um 13 Uhr in der Lagerhalle ihr drittes Programm. A I O U (US 2019) erzählt von einer fernen Zukunft. Von einer kosmischen Einrichtung unbekannter Herkunft. An diesem Ort wird die Schuld für die Auslöschung eines Lebens endlich eingelöst: durch Wiederauferstehung.
Nosferasta: First Bite (US, PR, GB 2021) erzählt, fünf Jahrhunderte kolonialer Zerstörung umspannend, die Geschichte von Oba, einem Rastafari-Vampir, und Christoph Columbus, dessen Biss ihn ursprünglich zum Vampir gemacht hat. Gemeinsam verbreiten sie die koloniale Epidemie in der gesamten „Neuen Welt“. Formal ist Nosferasta ein Vampirfilm und eine Reihe von Installationen. Im Stil impressionistisch, thematisieren sie die Schuld, die aus der Verstrickung in koloniale Eroberungen resultiert, wobei sie anerkennen, wie schwierig es ist, das Erbe von Jahrhunderten der vampirischen Indoktrination abzuschütteln. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie kann man dekolonisieren, was man im Blut hat?
In Give it Back: Crimes Against Realty (US 2024) geht es um die Besichtigung einer vorgeblich restituierten Wohnung. Unter der Führung von Jim Fletcher, einem geläuterten Native American-Imitator, der auch ein häufiger Partner von New Red Order ist, werden reale Personen vorgeführt, die an der freiwilligen Rückgabe von Land an indigene Völker, Organisationen und Stämme beteiligt sind. Der Film ist Teil der fortlaufenden Recherchen von New Red Order zum Thema Rückgabe von Land durch Siedler*innen an indigene Völker, eine in den letzten zehn Jahren häufiger gewordene Praxis.
Auch in diesem Jahr wird das Kollektiv LaborBerlin im Rahmen von SPECTRAL die Vielfalt der analogen Filmpraxis vorstellen. Ein zentrales Werk der diesjährigen Präsentation ist die Wiederaufführung einer Multiprojektionsperformance, die Takahiko Iimura, ein Pionier des Expanded Cinema in Japan, gemeinsam mit dem Komponisten Alvin Lucier entwickelt hat. Dank der Zusammenarbeit von LaborBerlin mit den Forscher*innen von Collaborative Cataloging Japan wird die Performance erstmals seit den 1960er Jahren wieder live und analog zu sehen sein. Morgen um 19 Uhr, im Haus der Jugend.
In diesem Jahr sind Studierende der Kunsthochschulen aus Helsinki, Szczecin und Braunschweig sowie der Universität und Hochschule Osnabrück beim EMAF zu Gast und bespielen mit Ausstellungen, Filmprogrammen und Performances die Festivalkinos und ausgewählte Orte in der Osnabrücker Innenstadt.
Die Ausstellung der HBK Braunschweig präsentiert Arbeiten von Studierenden der Freien Kunst und Kunstpädagogik. Filme, Videos, Skulpturen, Performances und Installationen erörtern die Verbindungen zwischen individuellen Erfahrungen und gesellschaftlichen sowie politischen Zusammenhängen. Dabei geht es um verschiedene Perspektiven auf Fragen der Zeug*innenschaft.
It Will Be a Very Difficult Conversation ist ein Kurzfilm von Studierenden der Kunstakademie Szczecin, der auszudrücken versucht, wofür im Alltag die Worte fehlen: Wie begegnen wir Konflikten in unserer unmittelbaren Umgebung? Wie kann ich kritische Kunst produzieren, die vielleicht meine Nächsten beeinträchtigt? Wie gehe ich damit um, wenn ein Krieg die Community spaltet, aus der ich stamme?
In ihrem Film- und Performancevent Ensemble machen Studierende der Kunstakademie Helsinki grundsätzliche Fragen der gemeinsamen Erfahrung von Bildern und Räumen zum Thema. Für eine begrenzte Zeit öffnen sich Türen — zu einem Zuhause, zum Meer oder zu jemandes Haut. Stimmen, Soundscapes und das Licht der Projektoren führen das Publikum in den Raum und die Zeit ihrer Imagination.
Das Institut Kunst/Kunstpädagogik der Universität Osnabrück beteiligt sich mit Arbeiten, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstler*innen entstanden sind. Sie wollen die menschlichen Grenzen bei der Verarbeitung von Informationen und der psychologischen sowie gesellschaftlichen Auswirkungen von Fehlinformationen und Informationsüberflutung bewusst machen.
Studierende des Medienlabors der Hochschule Osnabrück präsentieren Projekte, die sich mit den Mitteln von Virtual Reality, Al oder Physical Computing mit den Strategien politischer Manipulation, der Modellierung und taktilen Erforschung von Landschaften und neuen Formen der spielerischen Interaktion auseinandersetzen.
In der Behörde für Alltagszeugnisse der Musik- und Kunstschule Osnabrück werden persönliche Zeugnisse der Bürger*innen von den Mitarbeitenden systematisch administriert, geordnet und verwaltet. Persönliche Alltagszeugnisse wie Notizzettel, Kassenbons oder Kontaktlinsenschalen können von Bürger*innen im zuständigen Büro abgegeben werden.
Bilder zu den einzelnen Beiträgen sowie weitere Informationen stellen wir Ihnen gern zur Verfügung. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an presse@emaf.de.
Wir laden Sie herzlich ein, über das Festival zu berichten. Für Presse-vertreter*innen entfällt die Akkreditierungsgebühr - auch dazu wenden Sie sich gern an presse@emaf.de, auch wegen vergünstigter Hotelkonditionen.
Akkreditierungen sind noch bis einschließlich kommenden Freitag, 18. April, möglich.
Mit besten Grüßen vom Team des EMAF
Picture Copyright: Tom Brück
03.04.2025EMAF 38 - Die Talks: I could swear my face was touching stone
Wenn Zeug*innen von Gewalt und Ungerechtigkeit ungehört bleiben, wo wird das, was passiert, registriert, wo wird es aufgehoben? Wie kann das, was bezeugt wurde, Geschichten schreiben, die noch nicht geschrieben wurden und die Macht eines systemischen Unwissens brechen, das gesellschaftliche Privilegien sichert? Mit diesen Fragen setzen sich in diesem Jahr die Talks des European Media Art Festival auseinander. Heute wollen wir Euch das Programm vorstellen.
Zeug*innenschaft ist selbst verstrickt in epistemische Gewalt: Ich sehe nur, was ich kenne, erkenne, zu erkennen gelernt habe. Ausgehend vom NSU-Komplex beschreibt Natascha Sadr Haghighian in Was ich noch nicht erkenne, jetzt in diesem Moment (2023) kollektive Ignoranz als Grundlage von strukturellem Rassismus und stellt dieser die Selbstbehauptung migrantisch situierter Erfahrung und Erinnerung entgegen. Der Titel der diesjährigen Talks I could swear my face was touching stone greift die affektiven Aspekte des Bezeugens auf. Er ist der Gedichtsammlung Land to Light On (1997) der kanadischen Schriftstellerin Dionne Brand entliehen. Brand hat sich in ihrer Poesie immer wieder mit der Frage des Bezeugens beschäftigt, mit der Lücke zwischen dem, was angetan, und dem, was davon berichtet wurde.
Vor diesem Hintergrund widmen sich die vier Veranstaltungen, in denen die Beitragenden Kurzvorträge, Gespräche, Lesungen und Filme miteinander verknüpfen, den transhistorischen Dimensionen von Zeug*innenschaft sowie körperlichen und sensorischen Formen des Wissens.
Kuratiert und moderiert werden die Talks von Natascha Sadr Haghighian, Marc Siegel, Philip Widmann und Florian Wüst.
Technologies
Die Filmwissenschaftlerinnen Anaïs Farine (Beirut) und Irit Neidhardt (Berlin) befassen sich mit den wechselnden Kontexten von Bildern und Tönen aus und über Palästina. Sie diskutieren, inwiefern eine durch Film institutionalisierte Solidarität mit der palästinensischen Sache in Deutschland heute weitgehend verschwunden ist, und identifizieren aktuelle künstlerische und kuratorische Interventionen in einem Feld, in dem Technologien des Sichtbarmachens leicht den gegenteiligen Effekt haben können. Das Gespräch wird ergänzt durch eine breite Auswahl an audiovisuellem Material – von Filmen westdeutscher Filmcrews, die im Auftrag der PLO gedreht wurden, über aktuelle Experimentalfilme, die Found Footage aus dem kolonisierten Palästina des frühen 20. Jahrhunderts verwenden, bis hin zu der 2024 in Gaza entstandenen Kurzfilmkompilation From Ground Zero.
Magic
Die Stimmen der Unterdrückten werden für uns oft erst hörbar, wenn wir uns in herrschaftsfreies Terrain begeben, charakterisiert durch magische Störungen und nicht erwartbare Fantasien. Die Autorin und Philologin Sanabel Abdel Rahman (Tunis) und der Künstler und Forscher Ashkan Sepahvand (London) sprechen über Zeug*innen, die die koloniale Wirklichkeit durch Magie und Geschichtenerzählen aufbrechen. Abdel Rahman diskutiert Aspekte ihrer Forschungen zu magischem Realismus und Spuk als Elemente des palästinensischen Widerstands, während Sepahvand sich Figuren der Alterität widmet, die im Kontext des geopolitischen Niedergangs im modernen Iran entstehen.
Continuities
Im April 2024 berichteten die Rechts- und Islamwissenschaftlerin Nahed Samour und die Künstlerin Pary El-Qalqili beim EMAF über die Repression und das Silencing von Stimmen in Deutschland, die sich mit Palästina solidarisch zeigen. Ein Jahr später wirft Nahed Samour (Berlin) einen Blick auf den aktuellen Stand der Dinge: Wie lässt sich der gegenwärtige gesellschaftliche Zustand bezeichnen? Ist er bereits permanent geworden? Eine andere Form von Chronik ist das fortlaufende Projekt Corrections and Clarifications der Künstlerin Anita Di Bianco (Frankfurt am Main), in dem sie seit dem 1. September 2001 die täglich in Printmedien erscheinenden Widerrufe, Neuformulierungen, Differenzierungen und Entschuldigungen zusammenträgt. Di Bianco zeigt, dass die Vorstellung von historischen Brüchen selbst Teil der Fehldarstellung und Verzerrung ist.
Bodies
Der Autor und Kurator José B. Segebre (Berlin) reflektiert die Ästhetik des Wartens in der queeren, feministischen, schwarzen und dekolonialen künstlerischen Praxis. Im Mittelpunkt steht das Warten als eine zentrale Dimension des sumud (Standhaftigkeit), einer Praxis des Widerstands, die den palästinensischen Alltag innerhalb und außerhalb des historischen Palästina prägt. Ashkan Sepahvand spricht über Performances und Rituale um Tod und Sterben im Kontext der AIDS-Pandemie. Er nimmt dabei sowohl die historische Weitergabe von Wissen zwischen queeren Tänzer*innen und Choreograf*innen in den Blick als auch das Theater von Regisseur Reza Abdoh, der sich in seiner Arbeit auf die iranisch-islamische Performance-Tradition der ta’ziyeh bezieht.
Film- und Kunstprofessionals können sich noch bis zum 18. April hier für den Besuch des Festivals anmelden.
Wir freuen uns auf Euren Besuch!
Picture Copyright: Anaïs Farine und Irit Neidhardt
01.04.2025EMAF 38 - Programm jetzt online
Wir freuen uns, Euch ab sofort unser Programm präsentieren zu können!
Dazu gehören die Filmprogramme zum Thema, die Internationale Auswahl, die Langfilm-Sektion, die Programme zum Artist in Focus und EMAF Extended genauso wie die Ausstellungen, zahlreiche Live-Performances, Lectures, musikalische Livesets und Partys mit Gästen aus aller Welt.
Alle Infos findet Ihr ab sofort hier und in den kommenden Wochen auf unseren social media-Kanälen!
Wir freuen uns auf Euren Besuch!
Akkreditierungen sind hier noch bis zum 18. April möglich.
20.03.2025EMAF 38 - Die Filmprogramme
31 Kurzfilme sind in diesem Jahr in der Internationalen Auswahl des 38. European Media Art Festivals in Osnabrück zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten renommierter wie junger Künstler*innen aus aller Welt – zum großen Teil erstmals in Deutschland. In der Langfilm-Sektion treten neun aktuelle und historische Langfilme in Dialog. In vielen dieser Filme begegnen wir Gesten des Aufbegehrens und Widerstands gegen andauerndes Unrecht und soziale Ungleichheit. Künstler*innen spielen mit filmischen Genres, vor allem mit Elementen von Horror und Suspense, was auch mit einem Unbehagen an der Gegenwart zu tun haben mag. Ein weiteres zentrales Motiv ist das Wiederaufsuchen von persönlichen und politischen Geschichten im direkten Gespräch, aber auch in der Begegnung mit Orten und Landschaften. Die mehr oder weniger gezähmte Natur – der Garten, der Park, der Urwald – taucht dabei immer wieder auf als historischer Schauplatz, persönlicher Ankerpunkt oder utopischer Entwurf für ein anderes Zusammenleben.
Wir möchten Euch im Folgenden einige erste Eindrücke vom Programm vermitteln.
Internationale Auswahl
Mónica Martins Nunes‘ gemeinsam mit Deniz Şimşek realisierter Film Variations on How to Farm a City (2024) begleitet Gärtner*innen, die auf Brachen, zwischen Verkehr und immerwährenden Baustellen dem Herandrängen der Stadt eine andere Form von Zeit und Zusammenleben entgegensetzen: Pflanzen, Ernten, Essen und Reden als sich täglich erneuernde Gesten, dass man zu bleiben gedenkt. Das urbane Umfeld, in dem sich Zachary EpcarsSinking Feeling (2024) abspielt, sind die abstrakten Fluchten und spiegelnden Verzerrungen US-amerikanischer Büroarchitekturen, bevölkert von den Körpern und Stimmen dreier Personen. Die Erinnerung an einen Zwischenfall in einem Tunnel wird zum Auslöser für Tagträume und Phantasien von Kontrollverlust, Verausgabung und Verbindung.
Ein ständiges Summen in ihrem rechten Ohr wird für Jung Hyejin zum Auslöser für eine filmische Auseinandersetzung mit dem schmalen Grat, der Klang von Lärm trennt. In Noise: Unwanted Sound (2024) verbindet sie medizinische Untersuchung und gesellschaftliche Reflexion, Soundscapes und persönlich-poetische Selbsterkundung, um zu zeigen, wie die Stimmen marginalisierter Menschen als Lärm stigmatisiert und als solche unterdrückt werden. Sylvia SchedelbauersMother’s Letter (2025) ist der Versuch einer Annäherung der Filmemacherin an ihre Mutter. In Form eines Briefs wendet sich die Mutter an ihre Tochter, die mit Bildmaterial aus dem Familienarchiv antwortet und kommentiert. Aus dem Hin und Her der klassischen Briefform wird hier ein intimes Nebeneinander, das Konflikte und Nähe erahnen, und Raum für Fragen lässt, die offen bleiben.
Die vollständige Liste der Filme in der Internationalen Auswahl findet Ihr hier.
Alle 31 Filme sind gleichberechtigte Preisträger des EMAF Award. Das bisher an Einzelwerke vergebene Preisgeld wird unter allen ausgewählten Filmen aufgeteilt. Eine Jury des Verbands der deutschen Filmkritik (VDFK) wird weiterhin den Medienkunstpreis des VDFK im Rahmen des EMAF vergeben.
Langfilme
In Candela Sotos’ Film Yrupẽ (2025) verwebt sich die Suche nach einem verschollenen Wissenschaftsfilm von Guillermo Fernández-Zúñiga mit dem Eintauchen in Familiengeschichten und National-archive. Während wir das langsame Wachstum einer Yrupẽ-Pflanze in einem Aquarium verfolgen, tauchen nach und nach Bilder und Stimmen auf, die eine Geschichte des Schweigens, der Ver-schleierung und der Zensur belegen. Im Sommer 1982 marschierte die israelische Armee in Beirut ein und plünderte das Archiv des Palestine Research Center. Es enthielt neben zahllosen historischen Dokumenten über Palästina auch eine Sammlung von Fotos und Bewegtbildern, die das israelische Verteidigungsministerium an sich brachte. In A Fidai Film (2024) eignet sich Kamal Aljafari diese Bilder wieder an und verknüpft sie zu einer Gegenerzählung, die aus dem Verlust eine über Jahrzehnte unterdrückte palästinensische Geschichte rekonstruiert.
The Soldier’s Lagoon (2024) von Pablo Álvarez Mesa begibt sich auf die Spuren von Simon Bolívars Kampf für die Befreiung Kolumbiens im Jahr 1819. Der Weg führt in die neblige Andenregion des Páramo, eine ökologisch komplexe Landschaft, in die Jahrhunderte von Gewalt und Trauma eingelagert sind. Aus filmischen Beobachtungen und Gesprächen mit Menschen vor Ort entsteht eine vielschichtige Reflexion über die Konstruktion von Geschichte und ihr Verhältnis zum Land. Mit Das falsche Wort entstand 1987 ein eindringliches Zeugnis für die systematische Vernichtung der deutschen Sinti durch die Nationalsozialisten. Katrin Seybold und Melanie Spitta, selbst Tochter einer Überlebenden, rekonstruieren anhand von unveröffentlichten Polizeiakten, Fotos und Dokumenten von Rassenforscher*innen sowie Erinnerungen der wenigen Überlebenden der Lager nicht nur den Völkermord selbst, sondern auch die Haltung einer Gesellschaft, die das Recht auf Wiedergutmachung ignoriert.
Die vollständige Liste der ausgewählten Langfilme findet Ihr hier.
EMAF Extended
Nach Abschluss des Festivals wird neben der EMAF Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück auch der Dokumentarfilm exergue – on documenta 14 (2024) von Dimitris Athiridis zu sehen sein. Der Film begleitet den Künstlerischen Leiter der documenta 14 Adam Szymczyk und sein kuratorisches Team bei der Planung und Umsetzung einer der weltweit wichtigsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, die 2017 erstmals in Kassel und Athen stattfand. Diese Entscheidung löste schon im Vorfeld Kontroversen aus und führte zu einem Budgetdefizit und anschließendem Medienskandal. exergue bietet in 14 Kapiteln einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen zeitgenössischer Kunstproduktion: das Spannungsfeld zwischen kuratorischer Arbeit und institutionellen Strukturen, lokaler Förderung und globalem Kunstmarkt, die Rolle zeitgenössischer Kunst in einer sich verändernden politischen Landschaft.
SPECTRAL
Auch in diesem Jahr wird das Kollektiv LaborBerlin im Rahmen von SPECTRAL die Vielfalt der analogen Filmpraxis vorstellen. Ein zentrales Werk der diesjährigen Präsentation ist die Wiederaufführung einer Multiprojektionsperformance, die Takahiko Iimura, ein Pionier des Expanded Cinema in Japan, gemeinsam mit dem Komponisten Alvin Lucier entwickelt hat. Dank der Zusammenarbeit von LaborBerlin mit den Forscher*innen von Collaborative Cataloging Japan wird die Performance erstmals seit den 1960er Jahren wieder live und analog zu sehen sein. Außerdem werden unter dem Titel S.P.A.C.E. EXPANDED performative und installative Expanded-Cinema-Arbeiten präsentiert, die in den letzten drei Jahren im Rahmen eines Residenzprogramms entstanden sind. Sie alle aktivieren den Projektionsraum auf besondere Weise und verwandeln ihn in einen Ort gemeinsamer Erfahrung.
Weiterhin können sich Film- und Kunstprofessionals für den Besuch des Festivals anmelden. Die Akkreditierung berechtigt zum freien Eintritt in alle Filmprogramme, die Ausstellungen, Performances, Talks und den EMAF Campus. Akkreditierungsschluss ist der 18. April.
Wir freuen uns auf Euren Besuch und senden herzliche Grüße vom Team des EMAF 2025!
In sieben Wochen beginnt in Osnabrück das 38. European Media Art Festival. Die von Inga Seidler kuratierte Ausstellung des EMAF 2025 in der Kunsthalle Osnabrück widmet sich dem Festivalthema Witnessing Witnessing und erforscht Zeug*innenschaft als aktive und performative Praxis, die über die bloße Dokumentation von Ereignissen hinausgeht. Die versammelten internationalen Künstler*innen nutzen digitale Medien, Video, VR,3-D Scans, Skulptur, forensische Methoden oder Reenactment, um Zeug*innenschaft als moralischen, politischen und emotionalen Akt zu beleuchten. In ihren Installationen hinterfragen sie die Authentizität und Wahrheit von Medienproduktionen sowie die damit verbundenen Machtverhältnisse. Die Besucher*innen der Ausstellungsind eingeladen, Verbindungen herzustellen und sich kritisch mit den präsentierten Informationen auseinanderzusetzen. Gezeigt werden Arbeiten von Agil Abdullayev, Alisa Berger, Karolina Breguła, Doplgenger (Isidora Ilić und Boško Prostran), Hannah Hallermann, Flo Kasearu, Gabriela Löffel und Benedikt Terwiel. Drei von ihnen wollen wir Euch hier exemplarisch vorstellen:
Bei der Videoinstallation Illustrating the Request for Privacy der Künstlerin Flo Kasearu handelt es sich um eine dokumentierte Performance, die gemeinsam mit einer Gruppe von Frauen entwickelt wurde, die die Unterstützung des Pärnu Women’s Shelter (Pärnu Frauenhaus) nutzen. Jede fünfte Frau in Estland hat in ihrem Leben körperliche Gewalt erlebt, und jede zehnte hat auch sexuelle Gewalt erfahren. Dies sind die offiziellen Zahlen, die tatsächlichen Zahlen liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit weitaus höher. Kasearu organisierte im NO99 Theater in Tallinn eine Performance mit den Frauen aus dem Pärnu Women’s Shelter. Über einen Zeitraum von zwei Stunden lasen die Frauen, die gemeinsam mit dem Publikum in einer den Gerichtsräumen nachempfunden Kulisse saßen, Passagen aus den Aktenihrer eigenen Gerichtsverfahren vor. In schwarz/weiß gedreht, konzentriert sich Illustrating the Request for Privacy ausschließlich darauf, wie die Frauen diese künstliche bürokratische Sprache vorlesen, die völlig losgelöst von den traumatischen Vorfällen erscheint. Die Arbeit zeigt damit einerseits den mutigen emanzipatorischen Akt dieser Frauen, verdeutlicht dabei aber gleichzeitig die Kluft zwischen den amtlichen abstrahierenden Aufzeichnungen und den persönlichen traumatischen Erfahrungen, mit denen die Betroffenen meist alleingelassen werden.
Die Arbeit Grammar of Calculated Ambiguity basiert auf einer Audiospur, die die Schweizer Künstlerin Gabriela Löffel zwei Wochen nach der Veröffentlichung der Pandora Papers während einer Offshore-Finanzkonferenz aufgenommen hat. Diese mehrtägige Konferenz richtete sich exklusiv an Insider*innen der Finanzbranche, an Treuhänder*innen, Anwält*innen und Vermögensverwalter*innen, sozusagen an die Architekt*innen von Offshore-Strukturen. Gabriela Löffels Aufnahme dokumentiert eine Podiumsdiskussion über die Wahrnehmung der Offshore-Finanzindustrie in der Öffentlichkeit. Während der Finanzindustrie eine Schlüsselrolle im Zusammenhang globaler Krisen wie der Klimakrise und wachsender Ungleichheit zukommt, bleiben ihre Strukturen und Vorgehensweisen schließlich versteckt. Aufgrund der akustischen Bedingungen sind Teile der Aufnahme schwer verständlich. Expert*innen haben sie deshalb im Tonstudio mit Hilfe von forensischen Tontechnikern rekonstruiert. Diesen Übersetzungsprozessfilmte Löffel und thematisiert dabei die Mehrdeutigkeit von Sprache: Während wir hören, wie Fachjargon unter anderem genutzt wird, um bestehende Gesetze zu umgehen, wird deutlich, dass Worte niemals neutral sind – selbst kleinste Nuancen können neue Bedeutungsräume eröffnen. Eine Komposition der Klangkünstlerin Olga Kokcharova ergänzt und interveniert in das Video und betont so die modulierbaren, porösen Formen der Installation.
Agil Abdullayevs Radicals in Between Trees and Dicks basiert auf einer vierjährigen Feldforschungsarbeit über queere Cruising-Kultur in Aserbaidschan und den angrenzenden Regionen des Kaukasus, Georgiens und Kasachstans - Umgebungen, in denen queere Identitäten kriminalisiert oder unterdrückt werden, in denen aber Cruising (die Suche nachanonymen Begegnungen im öffentlichen Raum) nach wie vor eine wichtige Praxis ist. Die Installation kombiniert Performances, Oral History-Zeugnisse und poetische Nachinszenierungen, um zu verdeutlichen, wie queere Geschichte und Gemeinschaft mit politischer Dringlichkeit in umkämpften Räumen verwoben sind. Auf drei Video-Kanälen zeigt sie verschiedene Perspektiven auf Cruising: physische Orte wie Parks und verlassene Gebäude, anonymisierte Interviews und abstrahierte Bildsprache durch Zeitlupen und Körperbewegungen. Agil Abdullayev hinterfragt dominante Narrative und lädt ein, öffentlichen Raum durch eine queere Linse zu sehen. Dabei bezieht Abdullayev auch Merkmale aus der aserbaidschanischen Filmgeschichte ein, insbesondere aus sowjetischen Filmen, die traditionelle Familienwerte und Maskulinität aufrufen, und verarbeitet diese in minimalistischen Tanzszenen. In der Arbeit geht es nicht nur um die Dokumentation von queeren Erfahrungen, sondern auch um das Schaffen von Räumen, in denen diese Geschichten erzählt und neu interpretiert werden können.
Die Ausstellung wird bis zum 25. Mai in der Kunsthalle Osnabrück zu sehen sein.
Weiterhin können sich Film- und Kunstprofessionals hier für den Besuch des Festivals anmelden. Die Akkreditierung berechtigt zum freien Eintritt in alle Filmprogramme, die Ausstellungen, Performances, Talks und den EMAF Campus. Akkreditierungsschluss ist der 18.April.
Picture Copyright: Flo Kasearu
18.02.2025EMAF 38 - Artists in Focus
Mit der Sektion Artists in Focus würdigt das EMAF Künstler*innen, deren Praxis sich zwischen Kunst und Kino verortet und gängige Vorstellungen von filmischen Erzähl- und Arbeitsformen erweitert. Wir freuen uns sehr, in diesem Jahr New Red Order (NRO) als Artists in Focus begrüßen zu können – genauer: NRO and Company, denn neben Filmen der Hauptmitwirkenden Adam Khalil (Ojibway), Zack Khalil (Ojibway) und Jackson Polys (Tlingit) werden auch Arbeiten zu sehen sein, die in Zusammenarbeit mit Bayley Sweitzer, Maria Meinild, Anton Vidokle und anderen Konstellationen entstanden sind.
NRO ist eine öffentliche Geheimgesellschaft, die in Netzwerken von Mitwirkenden, Kompliz*innen und Informant*innen arbeitet. In Filmen, Installationen und Performances, in kollektiven Projekten (Give It Back) und mit Partnerorganisationen (Creative Time) setzt sich NRO mit einer kolonialen Siedlergesellschaft auseinander, die gleichermaßen von der Sehnsucht nach dem Indigenen wie der gewaltsamen Vernichtung und Vertreibung von indigenem Land und Leben geprägt ist. NRO stellt die Frage, wie diese Sehnsucht auf produktive und nachhaltige Weise kanalisiert werden kann: „Unser Ziel ist es, Schuld und Scham zu überwinden, nicht um sie zu beseitigen und hinter uns zu lassen, sondern um durch sie und jenseits von ihr etwas zu imaginieren, das Indigene Zukünfte im Blick hat und befördert.“ (NRO)
NRO verwenden in ihren Arbeiten eine Vielzahl von Formen und Strategien, die vom Genrekino und Experimentalfilm bis hin zu Werbefilm und Manifest reichen, immer verbunden mit Humor, Aufrichtigkeit und gewissenhafter Recherche. Ihr Ziel ist es, unsere politische Vorstellungskraft zu erweitern und Wege hin zu einer für alle lebenswerten Zukunft zu weisen.
„In unserer gemeinsamen Arbeit versuchen wir, geschickte und ungewöhnliche konzeptuelle Rahmungen zu entwickeln, die uns erlauben, die Widersprüche, Fehler und Traumata, die die Geschichte des kolonialen Projekts seit 1492 auszeichnen, zu untersuchen, neu zu arrangieren und sogar zu parodieren. Wir stellen die Sicherheit und Stagnation normativer Einstellungen im Hinblick auf diese schwierigen Themen in Frage und versuchen stattdessen, die Strukturen für konzeptuell fruchtbarere Vorstellungen davon zu schaffen, wie ‚Identität‘ und ‚Geschichte‘ in unserem gegenwärtigen Verständnis von Dekolonisierung, Versöhnung und Siedlerkolonialismus vermittelt und konfiguriert werden.“ (Adam Khalil)
Eine zentrale Arbeit im Programmist der erste gemeinsam von Adam Khalil und Zack Khalil realisierte Langfilm INAATE/SE/ [it shines a certain way. to acertain place/it flies. falls./] (2016), der die Prophezeiung der Sieben Feuer, eine Erzählung der Anishinaabe, aufgreift. Sie sagt den Erstkontakt mit den Europäern vorher, lange bevor dieser sich ereignete. In INAATE/SE/ gehen Adam und Zack den transgenerationalen Spuren dieser Erzählung in ihrer eigenen indigenen Gemeinschaft nach.
In Never Settle: The Program (2018) wechseln sich Bilder eines von Siedlerhand zerstörten Planeten ab mit gruppentherapeutischen Aktionen, in denen willige Siedler*innen ihren eigenen Wunsch indigen zu werden erforschen und überwinden können. Als Video zur Anwerbung neuer Mitglieder angelegt, befragt NRO die Dynamiken von Kompliz*innenschaft, den Wunsch nach Wiedergutmachung und die Kooptierung indigener Anliegen durch Nicht-Indigene.
Nosferasta: First Bite (2021) von Adam Khalil, Bayley Sweitzer und Oba,einem in Brooklyn lebenden Künstler und Musiker aus Trinidad, übersetzt 500 Jahre kolonialer Zerstörung in die Sprache des Vampirfilms. Er folgt Oba, der als afrikanischer Sklave an einer Küste strandet, und Christoph Columbus, durch dessen Biss er zum Vampir wird, auf ihrem Weg durch die „Neue Welt“, die sie nach und nach kolonial infizieren. In einem unkonventionellen Stil- und Genremix erzählt Nosferasta von der Schwierigkeit Jahrhunderte vampirischer Konditionierung zu überwinden. Wie kann man dekolonisieren, was man selbst im Blut hat?
Die Filme von NRO und ihren oft langjährigen Mitstreiter*innen werden ergänzt durch zwei von Adam Khalil zusammengestellte Kurzfilmprogramme. In Anti Ethnography sind Filme aus mehreren Jahrzehnten zusehen, die sich aus indigener Perspektive mit dem ethnografischen Blick auseinandersetzen. Ein zweites Programm wird den europäischen Booklaunch von Temporal Territories. An Anthology of Indigenous Experimental Cinema begleiten, einer jüngst vom COUSIN Collective (Sky Hopinka, Adam Khalil, Alexandra Lazarowich und Adam Piron) herausgegebenen Publikation. In diesem Rahmen werden die Filme einiger der im Buch vorgestellten Künstler*innen zu sehen sein, unter anderen Walter Scotts neuer Kurzfilm _Organza’s Revenge_.
06.02.2025EMAF 38 - Akkreditierungsstart
Am 23. April beginnt in Osnabrück das 38. European Media Art Festival. Wir freuen uns darauf, fünf Tage lang wieder zum internationalen Treffpunkt für Künstler*innen, Kuratierende, Forschende, Studierende und Film- und Kunstinteressierte zu werden. Ab sofort können sich Film- und Kunstprofessionals hier für den Besuch des Festivals anmelden.
Die Akkreditierung berechtigt zum freien Eintritt in alle Filmprogramme, die Ausstellungen, Performances, Talks und den EMAF Campus. Akkreditierungsschluss ist der 18. April. Für Pressevertreter*innen entfällt die Akkreditierungsgebühr. Sie können sich dazu vorab an presse@emaf.de wenden, auch wegen vergünstigter Hotelkonditionen.
Details zum Programm gibt es hier in den kommenden Wochen. Wir freuen uns auf Euren Besuch!
21.01.2025EMAF 38 - Das Thema "Witnessing Witnessing"
Das EMAF gibt mit seinem Programm nicht nur einen jährlichen Überblick über das medienkünstlerische Schaffen der Gegenwart, sondern greift auch Entwicklungen und Diskurse auf, die unser gesellschaftliches Zusammenleben prägen – seien sie künstlerischer, technologischer oder politischer Art. Diese Auseinandersetzung findet insbesondere im Rahmen des Festivalthemas statt, dessen Ausarbeitung in den Händen eines jährlich wechselnden kuratorischen Teams liegt. Mit dem kommenden Themenschwerpunkt Witnessing Witnessing (Das Bezeugen bezeugen) möchten wir uns der Frage widmen, welche Rolle Zeug*innen gegenwärtig zukommt, wie Zeugnisse – Aussagen, Dokumente, einzelne Dinge oder ganze Archive – unseren Blick auf die Welt prägen und wie sie in politische Wirklichkeit hineinwirken können.
Was wir bezeugen oder als Zeugnis hinterlassen, ermöglicht anderen, sich ein Bild von der Welt zu machen, das über die Grenzen ihrer eigenen Erfahrung hinausreicht. Zeug*innenschaft stiftet dadurch Verbindungen zwischen individuellen und kollektiven, vergangenen und gegenwärtigen Erfahrungsräumen. Zeugnissen kommt auch deshalb eine wichtige Bedeutung zu, weil sie bisher ungehörte Stimmen ins Spiel bringen können. Sie können unhinterfragt überliefertes Wissen, aber auch unbewusste gesellschaftliche Verdrängungsprozesse in Frage stellen und damit nachhaltig verändern, was sag-, wahrnehm- und vorstellbar ist. Was passiert aber, wenn diese Prozesse unterbrochen werden? Wenn Zeugnisse ignoriert, aktiv geleugnet oder gegen die Bezeugenden selbst in Stellung gebracht werden? Und wie ist eine Vermittlung zwischen unterschiedlichen oder sich widersprechenden Aussagen über die Wirklichkeit möglich?
Die von Inga Seidler kuratierte Ausstellung versteht Zeug*innenschaft als aktive und auch performative Praxis, die weit über die bloße Dokumentation von Ereignissen hinausgeht. Künstler*innen setzen digitale Medien, Video, Film und interaktive Installationen ein, um Zeug*innenschaft als moralischen, politischen und emotionalen Akt zu untersuchen. Sie hinterfragen die Authentizität und Wahrheit von Medienproduktion, indem sie die Verantwortung und die Machtverhältnisse beleuchten, die mit der Darstellung von Ereignissen, Geschichte, Trauma und Gewalt verbunden sind. Die Besucher*innen sind dazu eingeladen, selbst zu untersuchen, Verbindungen herzustellen und sich kritisch mit den präsentierten Informationen auseinanderzusetzen, um so Teil des prozessualen Aktes der Zeug*innenschaft zu werden.
Was können Kunst und Film tun oder sagen, in Zeiten, in denen ein live gestreamter Genozid begangen wird, dessen Verantwortliche ungestraft davonkommen? Das von Laura Huertas Millán kuratierte Filmprogramm untersucht eine Reihe unterschiedlicher künstlerischer Praktiken, die um Erinnerung, die Körperlichkeit von Widerstand und Performance als somatisches Archiv für die Überlieferung von Geschichte kreisen. Der Titel der Reihe, We sing to wing again, inspiriert von einem Vers der Dichterin Hoa Nguyen, verweist auf die nicht enden wollenden Zyklen kolonialer Gewalt, das Durchbrechen eines oppressiven Schweigens, das Bezeugen von Geschehenem und das Bewahren von Hoffnung.
Wenn Zeug*innen von Gewalt und Ungerechtigkeit ungehört bleiben, wo wird das, was passiert, registriert, wo wird es aufgehoben? I could swear my face was touching stone, der Titel der diesjährigen Talks, kuratiert von Natascha Sadr Haghighian, Marc Siegel, Philip Widmann und Florian Wüst, ist dem Gedicht Land to Light On (1997) der kanadischen Schriftstellerin Dionne Brand entliehen. Brand hat sich in ihrer Poesie immer wieder mit der Frage des Bezeugens beschäftigt, mit der Lücke zwischen dem, was angetan, und dem, was davon berichtet wurde. Die vier hybriden Veranstaltungen, die Panels, Vorträge, Lesungen und Filme miteinander verknüpfen, widmen sich der transhistorischen Dimension affektiver Zeug*innenschaft sowie den körperlichen und sensorischen Formen des Wissens.
Zu den Kurator*innen:
Laura Huertas Millán ist eine kolumbianische und französische Filmemacherin und Künstlerin. Sie lebt in Belgien. In ihren Filmen verbindet sie Fiktion, Ökologie, kritische Ethnografie und diasporische Narrative, um Geschichten des Widerstands und des Überlebens sichtbar zu machen.
Natascha Sadr Haghighian arbeitet mit unterschiedlichen Medien und widmet sich epistemischem Ungehorsam und diasporischen Infrastrukturen. Darüberhinaus unterrichtet sie Skulptur und Installation an der HfK Bremen.
Inga Seidler ist eine in Berlin lebende freie Kuratorin und Projektmanagerin. Sie war Ausstellungskuratorin des transmediale Festivals und leitete das Web Residency Programm der Akademie Schloss Solitude. Seit 2021 kuratiert sie u.a. die Ausstellungen des EMAF.
Marc Siegel ist Filmwissenschaftler, Kurator und Mitglied des Berliner Kunstkollektivs CHEAP. Er ist Professor für Filmwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.
Philip Widmann forscht, kuratiert und macht Filme. Zurzeit arbeitet er als postdoctoral researcher im SNF-geförderten Projekt Paranational Cinema – Legacies and Practices an der Universität Zürich.
Florian Wüst arbeitet als Filmkurator, Künstler und Dozent in Berlin. Er kuratiert Filmprogramme für internationale Kunstinstitutionen, Kinos und Festivals, und ist Mitgründer der Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt.
Das 38. European Media Art Festival findet vom 23. bis zum 27. April 2025 statt. Die Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück wird bis zum 25. Mai 2025 zu sehen sein.
07.01.2025Veranstaltungen von Januar bis März
Wir freuen uns, das neue Jahr mit zwei Filmvorführungen im Kino in der LAGERHALLE einzuläuten und damit die Wartezeit bis zum EMAF zu verkürzen.
Am Mittwoch, den 22.01., zeigen wir in Kooperation mit unseren langjährigen Partnerinnen vom Kunstraum hase29 im Kontext der Ausstellung „Glitch in der Matrix” den feministischen Science-Fiction BORN IN FLAMES von Lizzie Borden (1983). Im Anschluss laden wir herzlich zum Gespräch mit Katrin Mundt (EMAF) und Jasmina Janoschka (hase29) ein.
Am darauffolgenden Mittwoch, den 29.01., setzen wir, ebenfalls im Kino in der LAGERHALLE, mit Jean-Pierre Gorins dokumentarischem Essay POTO AND CABENGO (1980) unsere Reihe „Sehen, um zu hören” fort. Der Film begibt sich auf die Spuren eines Zwillingspaars und zeichnet die Kontroversen um Kindheit, Sprache und gesellschaftliche Teilhabe nach, die sich an ihnen entzündeten.
Mi, 22.01.2025, 19 Uhr – LAGERHALLE Osnabrück
Born in Flames, Lizzie Borden, US 1983, 80’ (OmdU)
In Kooperation mit dem Kunstraum hase29
Lizzie Bordens Science-Fiction-Film BORN IN FLAMES (1983) zeigt eine dystopische Zukunft in den USA, in der eine feministische Revolution gegen bestehende Machtstrukturen ausgerufen wird, um soziale Ungleichheiten und die Unterdrückung von Frauen zu bekämpfen. Der Film nutzt Medien – vor allem das Radio – als Symbol für den Widerstand und thematisiert den Kampf für Gleichberechtigung in einem autoritären Staat, der Reformen blockiert und alternative Stimmen unterdrückt. Wie auch die Ausstellung „Glitch in der Matrix” im Kunstraum hase29 setzt sich der Film mit der Frage auseinander, wie unsere Vorstellung von „Realität” durch politische und mediale Machtstrukturen manipuliert wird. Im anschließenden Gespräch mit Katrin Mundt und Jasmina Janoschka geht es u.a. um die Frage, inwiefern Glitches – Störungen im System – Kontrollverlust, aber auch gesellschaftliche Veränderung befördern.
Der Eintritt ist frei.
Mi, 29.01.2025, 19 Uhr – LAGERHALLE Osnabrück
Sehen, um zu hören, Teil 2:
Poto and Cabengo, Jean-Pierre Gorin, US/BRD 1980, 72’ (en OF)
Grace und Virginia sind Zwillingsschwestern aus San Diego. Da sie weitgehend isoliert von der Außenwelt aufwachsen, haben die Mädchen eine private Form der Kommunikation entwickelt – eine Mischung aus Deutsch und Englisch, den Sprachen, von denen sie zu Hause umgeben sind. Jean-Pierre Gorins vielstimmiger dokumentarischer Film betrachtet die Lebensumstände der Mädchen und zeichnet die medialen Reaktionen nach, die das Bekanntwerden ihrer „Geheimsprache” auslöste. Er erfasst dabei auch das Unbehagen, das diese ungewöhnliche, von der Umwelt scheinbar abgekoppelte Sprachgemeinschaft in der Gesellschaft erzeugte. Eine ungewöhnliche Studie über Worte und Gesichter, Massenmedien und Isolation und die politischen Dimensionen von Familie.
Tickets: 6 EUR / 5 EUR (erm.)
Weitere Termine zum Vormerken:
18.02.2025, 19:00 Uhr – LAGERHALLE Osnabrück
Sehen, um zu hören, Teil 3:
Leila und die Wölfe, Heiny Srour, UK/FR/BE/NL/LB/SE 1980-84, 95´ (Arabisch mit en UT)
Mit LEILA UND DIE WÖLFE der libanesischen Filmemacherin Heiny Srour freuen wir uns einen Klassiker des feministischen Films in Osnabrück zu zeigen. Im Zentrum steht Leila, eine in London lebende junge Libanesin, die auf der Suche nach ihrer eigenen Rolle in der Gesellschaft der kollektiven Erinnerung arabischer Frauen und ihrem oft verborgenen Anteil an der jüngeren Geschichte des Nahen Ostens nachspürt. Sie begibt sich auf eine imaginäre Zeitreise vom frühen 20. Jahrhunderts bis in ihre Gegenwart und durch die umkämpften Landschaften Palästinas und des Libanon. Dabei verweben sich Geschichte und persönliche Erinnerungen, Archivmaterial und Folklore. Sechs Jahre arbeitete Heiny Srour an der Fertigstellung dieses außerordentlichen Films, der von der Hoffnung auf Befreiung aus patriarchaler und kolonialer Herrschaft getragen ist.
Leila und die Wölfe wurde restauriert vom CNC – Centre national du cinéma et de l’image animée und wurde ausgewählt für die Venice Classics 2021.
Der Film ist im Verleih von Cinenova, London, einer ehrenamtlichen Organisation für die Erhaltung und den Verleih feministischer Film- und Videokunst.
Tickets: 6 EUR / 5 EUR (erm.)
26.03.2025, 19 Uhr – LAGERHALLE Osnabrück
Sehen, um zu hören, Teil 4:
Winter adé, Helke Misselwitz, DDR 1987-88, 116’ (de OF)
Im Winter 1987 kehrt die Filmemacherin Helke Misselwitz an den Bahnübergang bei Zwickau zurück, wo sie 40 Jahre zuvor in einem Krankenwagen geboren wurde. Von dort aus begibt sie sich auf eine Reise quer durch die DDR. Die Filmemacherin begegnet Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher sozialer Herkunft: eine alleinerziehende Arbeiterin aus einer Brikettfabrik, zwei junge Punks, eine erfolgreiche Berliner Ökonomin und eine 85-jährige Dame, die gerade diamantene Hochzeit feiert. Misselwitz gibt Raum und hört zu, während die Frauen erzählen: von ihren unterschiedlichen Leben, ihren Enttäuschungen und Hoffnungen für die Zukunft. Die große Nähe der Frauen zueinander prägt diesen Film, der voller Brüche und Widersprüche ist, aber auch komisch und voller Zuversicht. Ein eindrückliches atmosphärisches Porträt der DDR kurz vor dem Ende ihres Bestehens.
Tickets: 6 EUR / 5 EUR (erm.)
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und senden herzliche Grüße vom Team des EMAF 2025!